Styleneid: Lou Willis
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Interview: Lou Willis

Was macht für dich einen guten Look aus?
Glitzer. Natürlich gibt es auch gute Styles ohne Glitzer, aber es rettet einfach jeden Look! Außerdem liebe ich es, mein ganzes Gesicht als Leinwand zu nutzen. Warum nicht mal Sterne auf die Wangen malen, glitzernde Brauen ausprobieren oder lila Blush auftragen?
Du verwendest oft bunte Foundation und veränderst dein Gesicht mit Silikonprothesen. Welche Rolle spielen Schönheit und Verfremdung in deinem Stil?
Ich kombiniere sehr gerne Glamour mit Prothesen, denn schön ist für mich, was einzigartig ist. Mein Stil ist davon geprägt, dass ich schon früh erkannt habe, dass ich nicht der gesellschaftlichen Norm entspreche. Die Gesichtsform zu verändern, gibt mir mehr Möglichkeiten, meine Ideen zu verwirklichen und jemanden wie ein Insekt, eine Pflanze oder ein cunty Alien aussehen zu lassen.

Was ist dein Make-up-No-Go?
Ich habe keins. Egal, ob glamouröses, trashiges oder schlecht verblendetes Make-up: Wenn Menschen ihren Look selbstbewusst tragen, liebe ich es. Ich liebe Kitsch, hässlich-schöne Dinge, Camp und Chaos. Omas, die zu viel roten Lippenstift und blauen Lidschatten tragen, sind meine großen Vorbilder. Nur bei stark geschminkten Jugendlichen hoffe ich, dass sie wissen, dass sie das nicht machen müssen.

Make-up wird einerseits als Mittel patriarchaler Unterdrückung kritisiert, andererseits ist es für viele queere Menschen eine Möglichkeit, sich auszudrücken. Was bedeutet es für dich?
Lange Zeit habe ich Make-up wie eine Maske benutzt, v. a., als ich jung und noch nicht geoutet war. Als ich mich als trans geoutet habe, dachte ich erst, dass ich als Mann kein Make-up tragen kann. Aber ich habe es vermisst. Heute mache ich mir darum weniger Gedanken. Es macht mir Spaß, mich zu schminken – das ist fast therapeutisch. Ich dekoriere mein Gesicht oder betone es. Da ich autistisch bin, hat mir das Schminken oft dabei geholfen, meine Emotionen zu regulieren und zu verstehen. Und es ist seit Langem meine Hyperfixation. Ich träume sogar davon. IG: @editorial.bacterial
Dieser Text erschien zuerst in Missy 04/25.