Chappell Roan performte kürzlich auf dem Primavera Sound Festival live den viralen „Apple“-Tanz, den TikTok-User*innen 2024 zu Charli xcxs Hit aus demselben Jahr entwickelt hatten. Damit haben sich die popkulturellen Prozesse des digitalen Zeitalters deutlich verschoben: Die Tänze aus den Jugend- und Wohnzimmern inspirieren die große Bühne statt umgekehrt.
Angefangen haben digitale Tanz-Challenges eigentlich schon 2013 mit dem „Harlem Shake“ auf YouTube. 2019 gab es dann das erste virale TikTok, das uns die Welt der TikTok-Tänze eröffnete: Der „Renegade“-Tanz der 14-jährigen Jalaiah Harmon (mittlerweile ist sie Creator und Choreografin). Seitdem sind Tanz-Challenges nicht mehr von Social Media wegzudenken. Ursprung dieser viralen Tänze ist fast immer Schwarze Tanzkultur. U. a. Street- und Club-Styles: HipHop, Breaking, House, Locking und
Popping. Doch welchen Einfluss hat umgekehrt Social Media auf Szenen und Performer*innen, deren Leben schon lang vor TikTok von Tanz geprägt waren?
In Deutschland existiert eine gut vernetzte Street- und Clubstyle-Community: die sogenannte Freestyle-Szene. Die Tänzer*innen trainieren regelmäßig in sogenannten Sessions, die meist kostenlos in Jugendzentren oder im Sommer einfach draußen stattfinden. Es gibt sowohl stylespezifische Sessions als auch immer mehr All-Style-Sessions, bei denen, wie der Name schon verrät, alle Styles zusammenkommen. Es sind freie Trainings, bei denen alle ihr Wissen teilen – unter dem Motto „Each one teach one“ (ein Leitspruch aus Schwarzen Communitys, in denen es keinen formalen Zugang zu Bildung gab). Darüber hinaus gibt es Battles: Wettbewerbe, bei denen die Freestyler*innen regional, national oder sogar international gegeneinander antreten. Oft haben Battles mehrere Kategorien, sodass sich bspw. HipHop- und House-Tänzer*innen auf gemeinsamen Events treffen. Die deutsche Sz…