© Guy Bolongaro

Sylvie sitzt im Therapiezimmer, dem Ort, an dem sie einmal in der Woche am glücklichsten ist. Wenn sie nicht gerade mit ihrer Therapeutin spricht, zählt sie die Minuten, bis sie es wieder kann. Sie denkt Tag und Nacht an sie, schickt ihr Nachrichten, wünscht sich gleichzeitig, mit ihr rumzuknutschen und von ihr adoptiert zu werden. Ihr ganzes Leben – eines, das sie selbst als sehr klein wahrnimmt – ist auf diese eine Stunde hin ausgerichtet. Was im Klappentext etwas verharmlosend als Verliebtsein dargestellt wird,

ist viel mehr: Es ist eine obsessive Übertragung.

In der Psychoanalyse spricht man von einer Übertragung, wenn, vereinfacht gesagt, ein*e Patient*in verdrängte Gefühle auf eine andere Person verschiebt. Das kann zwischen Patient*in und Therapeut*in oft passieren und es kann sogar hilfreich sein, wenn es bewusst genutzt wird. Im Verlauf von „Happiness Forever“, dem Debüt von Adelaide Faith, wird die Übertragung zwar in der Therapie angesprochen und angenommen, allerdings von der Therapeutin nicht wirklich als Mittel genutzt. Sie bleibt professionell distanziert, nickt und lächelt viel und versucht, Sylvie zur Selbstständigkeit zu ermutigen. Diese steigert sich bei vollem Bewusstsein immer weiter in ihre Obsession, was einen sowohl erstaunlich ruhigen als auch stetigen Spannungsbogen aufrechterhält, der jederzeit zu reißen droht.

Die Geschichte mag auf den ersten Blick einfach wirken, ist aber komplex. Es entfaltet sich ein Kammerspiel, bei dem wir Sylvies emotionale Struktur mit ihr zusammen du…