All Eyes On: Stella Winter
Von
Interview: Stella Winter



Deine Bildwelten fühlen sich wie ein Scrollen durch fünfzig offene Tabs an – woher kommt diese visuelle Überfülle und woher weißt du, wann ein Bild „fertig“ ist?
Das finde ich eine coole Beschreibung! Ich arbeite zunächst mit Fotografien, durch die ich alles visualisieren kann, bevor ich an die Leinwand gehe. Natürlich kommt es auch vor, dass ich während des Malens Entscheidungen treffe, die auf meinem Referenzfoto nicht existieren. So etwas passiert meistens gegen Ende, wenn einfach noch etwas fehlt. Das können Farbhighlights sein, „Dreck“, Haare oder Blut, aber manchmal auch Gegenstände. Die visuelle Überfülle kommt auch daher, dass ich Spaß daran habe, sehr detailliert zu malen. Und ich würde sagen, dass ich IRL eine sehr ordentliche Person bin und dafür alles in meinen Bildern rauslasse. Ich glaube – oder hoffe –, dass man irgendwann ein Gefühl dafür hat, wann ein Gemälde fertig ist.
Popkultur, Internetästhetik, Kunstgeschichte – welche Referenzen schleichen sich in deine Arbeit und wie entscheidest du, was es auf deine Leinwand schafft?
Frank-Ocean-Lyrics, Hello Kitty, Atzen-Brillen, „Keep calm“-Sticker, Snapchat-Filter, Attention-Span-Splitscreens, ich habe bestimmt einige Sachen vergessen. All meine Referenzen kommen aus dem Internet. Ich liebe Deepdives auf YouTube, besonders von Mila Tequila, und Podcasts mit Trendanalysen wie „Nymphet Alumni“ und „Emergency Intercom“. Ich hatte schon immer eine Faszination für Lifestyles, die nicht unbedingt greifbar sind, aber so wirken. Was es dann auf die Leinwand schafft, hängt wahrscheinlich auch davon ab, in welcher Algorithmus-Bubble ich mich befinde.
Die Kunstwelt kann glamourös wirken, ist aber oft messy und ausbeuterisch. Wie navigierst du durch diesen Raum, ohne dich zu verlieren, und was würdest du jungen Künstler*innen raten, die sich noch nicht trauen reinzugehen?
Die Kunstwelt ist auf jeden Fall ein ganz anderer Ort als das Atelier. Ich wusste nichts über die Branche, für mich war alles learning by doing. Und andere Menschen haben ihr Wissen mit mir geteilt. Deshalb weiß ich nicht, ob man Ratschläge von mir annehmen sollte. Aber ich denke, das Wichtigste ist, jeden über alles auszufragen und jede Chance zu nutzen, seine eigene Kunst zu zeigen!
Stella Winter hat an der Kunsthochschule in Mainz gelernt, wo sie lebt und arbeitet. 1999 geboren, gehört sie zur Gen Z, was sich im besten Sinne auch in der Bildsprache ihrer Ölgemälde ausdrückt. Ihre erste Soloausstellung ist bis zum 25.10. in der Berliner Galerie Russi Klenner zu sehen (@galerierussiklenner).
Dieser Text erschien zuerst in Missy 05/25.