Porträt der Autorin Fernanda Melchor in einer Bibliothek.
© Fernanda Melchor

Fernanda Melchor, das kann ohne Zweifel festgehalten werden, ist eine der größten Stars der mexikanischen Literaturszene. Auch im deutschsprachigen Raum feiert die Autorin aus Veracruz, einem Staat an der Ostküste Mexikos, große Erfolge. 2019 bekam sie den Anna-Seghers-Preis verliehen und gemeinsam mit ihrer Übersetzerin Angelica Ammar den Internationalen Literaturpreis des HKW für ihren Roman „Saison der Wirbelstürme“. Dieser war, wie auch der Nachfolger „Paradais“, zudem für den renommierten International Booker Prize nominiert. Grund genug für den Wagenbach-Verlag, ihr

Erzähldebüt „Das hier ist nicht Miami“, das ursprünglich 2013 (und in einer Neuausgabe 2018) publiziert wurde, auf Deutsch zu veröffentlichen. So viele Ehrungen und so viel Hype – warum?

„Das hier ist nicht Miami“ enthält zwölf „Crónicas“, ein hybrides Genre zwischen Journalismus und Literatur. In ihnen beschreibt Melchor das Leben von einzelnen Bewohner*innen ihrer Heimat, die von Gewalt, Drogenkartellen und Korruption geprägt ist. So etwa Erzählungen über eine ehemalige Schönheitskönigin, die ihre Kinder ermordet haben soll, über die Sichtung eines UFOs, das sich ganz profan als Drogenflugzeug herausstellt, oder über den arbeitslosen Familienvater, der aus Not für die Narcos arbeiten muss. Melchors Anliegen ist dabei, sich mit diesen subjektiven Erlebnissen einer größeren Wahrheit anzunähern. Ihre Geschichten schildern schlaglichtartig einzelne Episoden, die zwar kein vollständiges Bild liefern, insgesamt aber ein sehr gutes Gefühl für die Probleme Mexikos geben – vor allem für …