Deutschlands Instrumentalisierung von Antisemitismus
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Vor sieben Jahren gab Missy ein Dossier zu Antisemitismus und Feminismus heraus. Neugierig blätterte ich es durch, um es dann verärgert wieder aus der Hand zu legen. Zwar konnte ich mich in einigen der Erfahrungen der jüdischen Autor*innen wiederfinden, aber das Dossier reproduzierte auch die üblichen Leerstellen. Die wichtige Frage der Mehrfachdiskriminierung in Bezug auf Antisemitismus und andere Rassismen, auch innerhalb der Community, wurde nicht mitverhandelt. Außerdem fehlten Positionen, die sich kritisch mit dem Staat Israel auseinandersetzen. Und davon gibt es, gerade unter jüdischen
Feminist*innen, wirklich einige. Sogar in Deutschland.
Was hatte ich erwartet? Die Messlatte hinsichtlich der medialen Abbildung jüdischer Diversität in Deutschland hing auch damals schon sehr niedrig, und ich muss wohl gedacht haben, dass Missy doch ein bisschen mehr liefert. An dieser Hoffnung festhaltend schrieben zwei jüdische Freund*innen und ich an die Redaktion.
Wir stellten unsere Kritik dar und fragten, ob es Interesse an einer Replik unsererseits gäbe. Daraufhin kam erst mal lange Zeit nichts. Als wir nach einem Monat erneut schrieben, hieß es, man diskutiere gerade, wie man uns antworten solle. Es wurde also wieder sehr viel über uns, aber nicht mit uns gesprochen. Das lange Hin und Her voller Projektionen und Unterstellungen, das darauf folgte, beendeten wir an der Stelle, als eine der Redakteurinnen uns einmal mehr erklärte, wann israelkritische Aussagen antisemitisch seien.
Wenn ich heute in den Mailverlauf schaue, ärgere ich mich immer noch über den passiv…