© Helena Minginowicz

Immer mehr Menschen ziehen in Städte – und immer mehr Menschen haben Schwierigkeiten, dort eine bezahlbare Wohnung zu finden. Das gilt nicht nur für Wohnungssuchende in Berlin, London und New York City, sondern auch in Lagos, Mumbai oder São Paulo. Laut den Vereinten Nationen lebt seit 2007 mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung in „urbanen Gebieten“, also: in Städten und Vorstädten, in Ballungszentren und Metropolen. In Deutschland trifft dies derzeit auf rund 78 Prozent der Bevölkerung zu; global werden es Prognosen zufolge im Jahr 2050 ebenfalls rund zwei Drittel sein. Diese Urbanisierung schreitet besonders stark in Afrika, Asien und Lateinamerika voran – und zwar oftmals

schneller, als der Wohnungsbau mithalten kann. Während Neubauten für Luxusapartments in die Höhe schießen, fehlt es an öffentlichen Investitionen für sozial- oder mietpreisgebundene Wohnungen. Das gilt für München genauso wie für Dhaka. 

Doch die Wohnungskrise ist nicht allein Folge von Urbanisierung, mangelhafter Stadtplanung und fehlenden Geldern. Wer sie durch die Brille der politischen Ökonomie betrachtet, mit einem kritischen Auge für das globale Wirtschaftssystem, sieht vor allem einen Grund: den finanzialisierten Kapitalismus und seine Auswirkungen. „Finanzialisierung“ beschreibt den Prozess, in dem Finanzakteur*innen zunehmend Einfluss auf Wirtschaftsaktivitäten und gesellschaftspolitische Bereiche außerhalb des Finanzsektors gewinnen und dabei die Logiken des Finanzmarkts dominieren. Konkret bedeutet das: Wohnraum wird nicht mehr primär als Lebensgrundlage betrachtet, sondern als Anlageobjekt. Wie das klingt, erfährt man in einer Pressemitteilung von der Allianz Real Estate: „Mehrfa…