Eine Illustration einer brennenden Friedenstaube.
© annemo

Interview: Magdalena Berger, Marie Serah Ebcingolu
Redaktionelle Mitarbeit: Tara Rezaie Farmand

Raum für Aushandlung und Dissens in Bezug auf das Ende des Krieges gegen die Ukraine, aber auch in Bezug auf die Aufrüstungsdiskurse in Deutschland gibt es kaum. Daher haben wir mit der Aktivistin Almut Rochowanski, Friedens- und Konfliktforscherin Eva Wuchold und Historikerin Hanna Perekhoda kontrovers über Rüstung, Russland und Wehrhaftigkeit diskutiert. Wie kann es Frieden geben? Wo verlaufen die Konfliktlinien unter Feminist*innen?

Schauen wir auf feministische Geschichte im Kontext internationaler Beziehungen, besonders im Hinblick auf Friedens- und Konfliktforschung. Was kann sie uns über den Umgang mit Krieg sagen?
Eva Wuchold: Feministische Friedenspolitik stellt die strukturellen Ursachen von Krieg in den Mittelpunkt – etwa Autoritarismus, Rassismus, Ressourcenausbeutung oder die Missachtung internationalen Rechts. Feministische Friedenspolitik sucht also nach strukturellen, globalen Lösungen. Über all dies wird in Bezug auf den Krieg in der Ukraine und wie man ihn jenseits von Waffenlieferungen beenden könnte,

eigentlich gar nicht gesprochen. Selbst ein Angriffskrieg wie dieser wird nicht durch mehr Gewalt enden, seine Ursachen müssen bekämpft werden. Putins übergeordnetes Ziel mit diesem Krieg ist, die bestehende internationale Ordnung zu revidieren, also sollte es in der Debatte mehr darum gehen, wie wir mit dieser Revision umgehen wollen. Aktuell können wir weltweit die Aushöhlung des internationalen Systems beobachten, das nach dem Zweiten Weltkrieg geschaffen wurde, um solche Kriege zu verhindern. Nicht nur von Staaten, die hinlänglich dafür bekannt sind, sondern auch von westlichen, wie wir aktuell in Gaza sehen. Wenn Menschenrechte nur selektiv verteidigt werden, untergräbt das die Glaubwürdigkeit dieses Systems. Wir müssen als Feminist*innen also den Diskurs verändern.

Im feministischen Diskurs herrscht Einigkeit, dass der Krieg in der Ukraine beendet werden muss. Aber es gibt unterschiedliche Perspektiven, wie das erreicht werden kann. Wie steht ihr zur Frage von Waffenlieferungen?
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