Feministischer Kannibalismus
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Mark (Nate Wise) ist ein Endzwanziger und ein mit seinem Leben unzufriedener Nachtschwärmer. Während sein Bruder Maverick (Clay von Carlowitz) bereits verheiratet ist und erfolgreich im Berufsleben steht, schlägt sich Mark als Mitarbeiter im Telefonsupport einer Lieferdienst-App durch und versteht mehr von Horrorfilmen als von Menschen. Seit einem Verkehrsunfall, der ihn und Maverick im Kindesalter zu Waisen gemacht hat, schimmert am Hinterkopf eine Titanplatte durch seine dunklen Locken. Nach einem nächtlichen Einkauf wird Mark versehentlich von der mysteriösen Ash (April Consalo) angefahren
und kommt mit einem Paket gefrorener Blaubeeren auf der Stirn in ihrem Bett wieder zu Bewusstsein. Ash ist untröstlich und besteht darauf, Mark mit einer gemeinsamen Mahlzeit zu entschädigen, ehe sie ihn nach Hause fährt. Die beiden schließen miteinander Bekanntschaft, während sie das undefinierte, aber köstliche Fleisch verspeisen, das Ash zubereitet hat.
Selbst wer die gigantischen roten Buchstaben verpasst hat, mit denen sich das blutdürstende Langfilmdebüt „Cannibal Mukbang“ von Aimee Kuge, japanisch-US-amerikanische Filmemacherin, ankündigt, wird zu diesem Zeitpunkt bereits ein oder zwei Ideen haben, was es mit der Fremden auf sich haben könnte. Doch der mit kleinem Geld und großer Hingabe gedrehte Independent-Film ist für einige Überraschungen gut, während er uns tiefer in seine farbenfrohe, morbide Bildwelt lockt. Ash verdient ihr Geld mit Mukbang-Videos, zeigt sich also im Internet beim Essen enormer Portionen. Sie ist humorvoll, frech und scheint wie nicht von dieser Welt. Eine gewisse Anzie…