Tommy Genisis kniet auf der Bühne während eines Konzerts.
© Justin Higuchi

Wenn es eines gibt, was Tommy Genesis über ihre gesamte Diskografie beschäftigt, dann der alttestamentarische Gott. Schon ihre 2015 erschienene EP „World Vision“ war gespickt mit biblischen Referenzen: Ihr Debütalbum „Tommy Genesis“ (2018) verarbeitete sie zum Hölle und Himmel fetischisierenden Kurzfilm „God Is Wild“, im 2021 erschienenen Album „Goldilocks x“ feierte sie selbstverständlich göttliche Sex- und Drogenexzesse. Denn wo das Geistliche ist, ist auch das

Fleischliche – so will es die Dualität der abrahamitischen Religionen, und so will es Tommy Genesis (bürgerlich Genesis Yasmine Mohanraj), deren Figuren sich dem vermeintlichen Gegensatz mal hingeben, ihn mal überwinden. 

Weiterführungen dieses Motivs bietet ihr im Sommer erschienenes Album „Genesis“. Das dazugehörige Cover erinnert an die hinduistische Göttin Kali. Im Video des Songs „True Blue“ hält sie sich, blau bemalt, knapp bekleidet und gold beschmückt, in sexuell aufgeladenen Positionen ein Kreuz zwischen die Beine – eine Anspielung darauf, dass ihre Familie in Süd­indien von Missionaren vom Hinduismus zum Christentum konvertiert wurde. Und dafür prasseln Kritik und Hass auf sie ein: sowohl von Hindus als auch von Christ*innen. Auf „Loops“ nimmt sie die Reaktion auf die Kritik vorweg: „The righteous inspires the rebellion / And fuck am I inspired“.

Dabei ist das Musikvideo eines der wenigen Elemente, die an das bisherige hypersexuelle Markenzeichen der kanadischen …