Colectivo Los Ingrávidos, The Sun Quartet, part 2: San Juan River [Das Sonnenquartett, Teil 2: San-Juan-Fluss], 2018, Videostill, Courtesy die Künstler*innen
 zu sehen ist ein brennendes Feld
© Colectivo Los Ingrávidos, The Sun Quartet, part 2: San Juan River [Das Sonnenquartett, Teil 2: San-Juan-Fluss], 2018, Videostill, Courtesy die Künstler*innen

Warum soll die Sonne unsere Genossin, unsere – feministische? – Verbündete sein?
Weil im Deutschen die Sonne weiblich ist, hat uns – Co-Kuratorin Andrea Popelka und mich – der Titel begeistert. Er irritiert total: Wie kann die Sonne eine Genossin sein? In welchen Kämpfen? Entstanden ist die Ausstellung auf Einladung von Milo Rau, dem Intendanten der Wiener Festwochen, der sein erstes Festival unter das Motto „Revolution“ gestellt hat. Wir fragen: Gibt es einen direkten (physikalischen)

Zusammenhang zwischen Sonne und Revolution?

Ihr bezieht euch stark auf den sowjetischen Biophysiker, Dichter und Maler Alexander L. Chizhevsky, der den Einfluss der Sonne auf die Biosphäre studierte.
Chizhevsky hat 1924 – also vor fast genau einhundert Jahren – seine Beobachtungen zum Einfluss der Sonne auf den historischen Prozess veröffentlicht. Ihm war aufgefallen, dass große Umbrüche und Revolutionen oft in Jahren erhöhter solarer Aktivität stattfinden. Er erklärte das damit, dass es in diesen Jahren eine durch Sonnenstürme ausgelöste „erhöhte Massenerregbarkeit“ geben würde. Das kam in der UdSSR nicht gut an, schließlich sei doch nicht die Sonne, sondern die „Partei“ das revolutionäre Subjekt der Oktoberrevolution von 1917. Chizhevsky wurde 1942 verhaftet. Er überlebte acht Jahre Lagerhaft und beschäftigte sich bis an sein Lebensende mit der Sonne. Die Ausstellung „Genossin Sonne“ kann man im Kontext des aktuellen Interesses an dem Wirken nicht-…