Monster, Emanzipation und die Grenzen des Patriarchats
Von

Von Regine Eurydike Hader
Seit Jahrhunderten besiedeln Monster unsere Abgründe und Ängste. All das, was eine Gesellschaft markiert und ausschließt – das Queere, Rassifizierte, Weibliche, Behinderte –, drängt sich in diesen Figuren machtvoll zurück. Gleichzeitig legitimieren sie, zum ultimativ Bösen und Fremden stilisiert, ihren Ausschluss. Die Filmwissenschaftlerin Barbara Creed spricht vom „Monströs-Weiblichen“, um zu beschreiben, wie sehr Monstrositäten des Horrorgenres auf abgelehnter und aufbegehrender Weiblichkeit basieren. „Animale“ spielt mit dieser Tradition: Was passiert, wenn ein hypermaskulines
Monster durch eine scheinbar feministische Heldin spricht?
Nejma (Oulaya Amamra), die in Südfrankreich als erste weibliche Stierkämpferin antritt, beschwört die antike Figur des Minotaurus (halb Mensch, halb Stier) herauf. Anfangs spielerisch, indem sie sich beim Training Hörner an den Kopf hält, dann bedrohlich, als sie sich im Schlaf unwillkürlich verwandelt. Spätestens, als ein Stierkämpfer morgens tot auf der Weide liegt, scheint klar, wer die Bestie ist – doch seit Nejmas Metamorphose ist die Uneindeutigkeit der Welt entfesselt. Während die Trope der „ersten Frau“ im Film überdeutlich wird, bleibt unausgesprochen, wie widersprüchlich eine Emanzipation ist, die auf dem Kult um männliche Gewalt basiert. Die Widersprüche klingen jedoch an, wenn maskottchenhaft-verehrende Stierdeko und sanfte und gewaltvolle Szenen einander rasant abwechseln. In einem Interview erzählt die Regisseurin Emma Benestan romantisierend, wie sie mit Stieren aufwuchs und für den Film mit Personen aus der Stierkampfindus…