King Princess
„Girl Violence“
( Section 1 )

Mit „Fantastic“ lieferte Mikaela Straus alias King Princess 2024 den Soundtrack zur dramatischen lesbischen Liebe von Vi und Caitlin im Serienhit „Arcane“ und landete so ihren bis dato größten Hit. Nun veröffentlicht die New Yorker Songwriterin und Multiinstrumentalistin ihr drittes und bisher bestes Album „Girl Violence“, auf dem sich ebenfalls vieles um turbulente Beziehungen zwischen Frauen dreht: „Nobody mentioned that girls can be violent“, singt sie im intensiven Titeltrack. Musikalisch zeigt Straus zwischen psychedelischen Soundflächen und schrammligen Gitarrensoli klare Kante. Manche Songs enden so abrupt, dass sie fragmentarisch wirken („Origin“). Im ätherischen Epos „Jamie“ verliert man

sich dagegen wie in einer leicht unbehaglichen Umarmung. Weiß man um die Schattenseiten der Liebe, so verliebt man sich dennoch widerwillig neu, voller Wagemut alle Red Flags ignorierend. 
Die Single „RIP KP“ ist perfekt für den Spätsommer – so selbstbewusst, sexy und cool, dass man sich ihr kaum verwehren kann, und zugleich subtil bedrohlich. Die Kehrseite der Hingabe ist die Selbstaufgabe („My girl could destroy your life / like she did to mine“). Darum dreht sich auch die jüngste Auskopplung „Girls“, die mit ihrem schlichten Titel und eingängigen Refrain wie eine Hymne daherkommt. Eigentlich ist sie aber ein Abgesang an die Vernunft, die aussetzt, wenn die Liebe ins Spiel kommt: „And to let you back in / that would be violence / that would be chaos / I wanna try it.“ Die Platte markiert Straus’ Rückkehr aus LA in ihre Heimat Brooklyn, die Trennung von einer langjährigen Partnerin ebenso wie ihren Abschied vom Major-Label-System. Entsprechend ist hier längst nicht alles düster; auch für I…