Spotlight auf den Vagusnerv
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Kaum etwas bringt meinen Puls so zuverlässig zum Rasen wie das Wort „Entspannungstechnik“, „Atemübung“ ist vielleicht noch schlimmer. Ich will ja entspannen, wirklich, denn ich weiß: Chronischer Stress macht krank. Herz-Kreislauf-Erkrankungen, hormonelles Ungleichgewicht, ein geschwächtes Immunsystem, psychische Erkrankungen – die Liste an negativen Auswirkungen von Stress ist lang. Aber
was soll ich denn noch alles machen? Neben Erwerbsarbeit, Care-Arbeit und dem, was von meinem Sozialleben übrig ist, bleibt oft nur Zeit für flache Atmung.
Ich denke an meine Freundin Lisa, die seit Wochen auf eine Antwort auf ihre Nachricht wartet (sorry, du Liebe). Ich denke an meine nächste Mahlzeit, die wohl wieder aus zwei Scheiben Käse bestehen wird statt einem selbstgekochten Gericht (oje, Cholesterin). Ich denke an meine Beckenbodenübungen (hatschi!) und an das Hanteltraining, das mir meine Physiotherapeutin verordnet hat (verspannter Rücken). Im rechten Augenwinkel sehe ich mein Ergometer (Cardio, so gut fürs Herz), im linken Augenwinkel den dicken Staub auf meiner Akupressurmatte. Fakt ist: Ich habe schon vieles versucht, um runterzukommen. Aber für mein Wohlbefinden zu sorgen, stresst mich.
Umso verlockender wirkt da die Instagram-Werbung für ein kleines Gadget: Ans Ohr geknipst verspricht es Entspannung auf Knopfdruck. Elektrische Vagusnerv-Stimulation nennt sich das – klingt medizinis…