Was darf bei deinen Outfits nicht fehlen?
Viel Schmuck, meine große Brille, Lipliner und natürlich mein Hijab.

Hast du ein Fashion-No-Go?
Mich für ein Event in ein Outfit zu zwingen, das ich eigentlich nicht fühle, nur um mich damit der Menge vor Ort anzupassen. Bisher habe ich diese Entscheidung immer bereut.

Was beeinflusst deinen Style?
Der Fun-Faktor. Meine Klamotten müssen mir Spaß machen, sei es durch einen asymmetrischen Schnitt, besondere Stoffe oder Farben. Außerdem passe ich meine Ausdrucksweise meinem Glauben an. Mit dem Kopftuch, aber auch indem ich mich „modest“, also bedeckt kleide. Und ich versuche, meine kurdische Identität in meinen Outfits zu zeigen. Ich trage kurdischen Schmuck von meiner Oma, typische Prints und traditionelle Kleider.

Wieso ist dir das so wichtig?
An sich mag ich keinen Patriotismus. Aber im kurdischen Kontext ist das etwas Besonderes, weil wir Kurd*innen schon so lange unterdrückt werden. Aus Angst vor Faschismus hat meine Oma mir immer verboten zu sagen, dass ich Kurdin bin. Umso wichtiger ist es mir heute, meine Herkunft zu repräsentieren. Das mache ich, indem ich Kurdisch spreche, durch meine Arbeit, aber eben auch durch meine Kleidung.

Bekommst du Reaktionen auf deinen Style?
Sogar ziemlich oft. Meistens können Menschen mich nicht einordnen oder sind von mir eingeschüchtert. Ich entspreche nicht ihrem Bild von einer Hijabi: Sie sehen mich zwar immer mit Kopfbedeckungen, verstehen aber nicht unbedingt, dass es sich dabei um Kopftücher handelt. Mir zeigt das, dass sie kaum Berührungspunkte mit anderen Hijabis haben – das finde ich traurig.

Gibt es ein modisches Experiment, das du gern noch ausprobieren würdest?
Ich kleide mich weder explizit feminin noch maskulin: Ich mag die Gleichzeitigkeit von beidem. Das passt zu meiner Queerness. Trotzdem habe ich Lust, in Zukunft auch mehr meine feminine oder meine maskuline Seite zu erkunden.

Dieser Text erschien zuerst in Missy 05/25.