Wohnen gegen Sex?
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Ja, das hier ist keiner der Texte, auf die ich sehr stolz sein werde – also inhaltlich! Deswegen, Mutti, wenn du das liest: Es wäre jetzt besser, wenn du ’ne Runde „Candy Crush“ spielst.
Warum die ganze Scham? Alles fing an mit der Wohnungsnot. Und je größer die Not, desto schwieriger ist es, dem eigenen ethisch-moralischen Kompass zu folgen.
Weil ich aus meinem Elternhaus raus wollte, um Familienprobleme hinter mir zu lassen, zog ich mit einer
Freundin zusammen. Doch das Leben ist kein Disneyfilm, und als uns klar wurde, dass es mit uns nicht so passte wie gedacht, einigten wir uns auf meinen Auszug.
Drei Monate hatte ich, um was Neues zu finden, und das als Abiturientin mit einem Job auf 450-Euro-Basis. Ich schrieb Bewerbungen und ging auf zig WG-Castings. Da ich studieren wollte, sah ich mich als Mitbewohnerin mit Aussicht. Aber es hagelte eine Absage nach der anderen. Und nun? Zur Familie zurück? Wer keine intakte Familienstruktur hat, versteht: Es ging nicht.
Die Lösung wurde ein Modell, auf das ich nicht stolz bin. Denn ich war nicht nur ohne Wohnsitz, sondern datete auch einen Dude, den ich eigentlich schon längst in den Wind schießen wollte. Doch er hatte etwas, das ich sehr schätzte: eine Wohnung. Der Dude war ein einfacher, casual One-Night-Stand, der irgendwann zu einem Booty Call wurde – nicht mal Freundschaft Plus. Und während für ihn der Spaß im Vordergrund stand, war ich darauf bedacht, wichtig für ihn zu werden. Nichtsahn…