Eine Person steht im Freien auf einem grasbewachsenen Weg neben hohem Schilf, hält ein Fernglas in den Händen und blickt seitlich nach oben.
© Alexandra Polina

Wie bist du zur Ornithologie gekommen?
Als Kind schaute ich mir bei Ausflügen immer begeistert die Vogelschautafeln an. Leider fehlten mir damals Vorbilder, ich kannte niemanden in der Vogelkunde. Später hatte ich immer mal wieder Kontakt zu Ornithologen, aber in deren Männercliquen fühlte ich mich nie wohl. Die warfen mit lateinischen
Begriffen um sich und sprachen vor allem über ihre teure Ausrüstung.

Wie sieht heute deine Arbeit aus?
Ich leite Onlinekurse, in denen ich erkläre, wie sich Vögel anhand ihres Aussehens und ihres Gesangs bestimmen lassen. Und ich veranstalte Expeditionen, bei denen die Teilnehmer*innen ihr Wissen anwenden können.

Mit deinen Angeboten sprichst du gezielt Frauen an. Warum?
Lange wurde nur auf die Vogelmännchen geschaut. Die Weibchen wurden ignoriert, auf vielen Schautafeln fehlen sie bis heute. Ihnen wurde sogar die Fähigkeit zum Singen abgesprochen. Das liegt daran, dass die Ornithologie bis heute männerdominiert ist. Daher richte ich meine Angebote an Frauen. Bei mir braucht man kein teures Fernglas und man darf auch sagen, dass ein Vogel süß ist.

Dieser Text erschien zuerst in Missy 05/25.