Eine Illustration einer Maus auf einem Fahrrad, begleitet von einer Kaffeetasse, vielen Augen und einer Ampel.
© Atelier Walderdorff

Mini, du trinkst schon deinen fünften Kaffee, seit wir uns getroffen haben. Und dann beschwerst du dich, dass du immer so unruhig bist. Vielleicht solltest du eine Zeit lang darauf verzichten!“ Das hat Minis Freundin Klarabella vorgeschlagen, als sie sich das letzte Mal trafen.

Zwei Tage hat Mini keinen Kaffee getrunken, und dann hat es ihr gereicht. Es hat nicht geholfen gegen die Unruhe. Im Gegenteil, ohne Kaffee wurde Mini aggressiv und ungut zu ihrer Umgebung. Am dritten

Tag trinkt Mini einen Kaffee und es packt sie ein unfassbarer Lebensenthusiasmus und sie steigt auf ihr Fahrrad und begibt sich in die Stadt, um Sachen zu erledigen: „Ich werde administrative Probleme vor Ort anpacken! Ich werde Lebensmittel besorgen! Ich werde überfällige Bücher in die Bibliothek zurückbringen!“

Bei der Ottakringer Brauerei bleibt sie an der roten Ampel stehen, wie es sich gehört. Sie singt: „Milchkaffee am Morgen tut der Seele gut, ich hab’ Zeit für mich, und ich geniiiiieeeeß es … Das, was von dir bleibt nach all der Zeit, ist nur dein Milchkaffee.“ Die Kreuzung, an der sie wartet, ist groß und mehrspurig. Rings um Mini sind Menschen in Startposition. Mini rollt ihr rechtes Hosenbein hoch. Gleich soll es grün werden. Auch die Autofahrer*innen spüren das und ruckeln schon Zentimeter um Zentimeter nach vorn. Die Fußgänger*innen heben ihre abgestellten Säcke und Kinder hoch. 

Nichts passiert. Die Wartenden sehen einander an. Mini nimmt Blickkontakt mit einer Fu…