Abtreibungen vollständig legalisieren
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Vor zehn Jahren gründete Alicia Baier, damals noch Medizinstudentin, die erste Hochschulgruppe der Medical Students for Choice in Deutschland. Die Gruppe kämpfte dafür, dass Schwangerschaftsabbrüche in den Lehrplan des Medizinstudiums aufgenommen werden, und initiierte die sogenannten Papaya-Workshops – selbstorganisiert lernten Studierende an einer Papaya, die dem Uterus in Form und Größe ähnelt, wie man eine Abtreibung durchführt. Mittlerweile ist Baier Gynäkologin, hat sich bei Hausärztin Kristina Hänel weitergebildet, die zur Ikone für den erfolgreichen Kampf gegen den Paragrafen 219a, das „Werbeverbot“ für den Schwangerschaftsabbruch, wurde, und hat selbst viele Schwangere beraten. Nun legt sie mit „Das Patriarchat im Uterus“ ein Überblickswerk zur Debatte über den Schwangerschaftsabbruch in Deutschland vor.
In ihrem „Plädoyer für körperliche Selbstbestimmung“ erläutert sie eindringlich, warum der Schwangerschaftsabbruch aus dem Strafgesetzbuch gestrichen werden muss. „Wer über den Schwangerschaftsabbruch spricht, muss auch über Verhütung, Elternschaft, Geburten und Fehlgeburten, über Bevölkerungs- und Familienpolitik, reproduktive Gerechtigkeit, Fürsorge und Ungleichheit sprechen“, macht sie zu Beginn klar. Über all das spricht sie ausführlich, erzählt die Geschichte der Abtreibung in Deutschland und die sozialen Kämpfe darum, berichtet von eigenen Erfahrungen als Ärztin in einem System, das keine flächendeckende Versorgung mit Abbrüchen bietet, macht die Erfahrungen und Bedürfnisse Betroffener aus unterschiedlichen sozialen Gruppen sichtbar.
Auch wenn man schon viel zum Thema weiß, ist es erschütternd zu lesen, dass etwa die „kriminologische Indikation“, die vorsieht, dass, wer nach einer Vergewaltigung schwanger wird, gratis und ohne Pflichtberatung abtreiben darf, kaum greift und Betroffene ni…