Austellungsansicht
© Marek Kruszewski

Es ist ein eiskalter Novemberabend. Die Innenstadt von Wolfsburg zeigt sich grau und verlassen. Doch im Kunstmuseum drängeln sich die Menschen. Sie sind alle gekommen, um die Eröffnung von „Eine alternative Geschichte“ zu besuchen. Die erste große institutionelle Einzelschau von Małgorzata Mirga-Tas in Deutschland, deren Werke vorher schon im Berliner Brücke-Museum und auf der documenta zu sehen waren. Die Künstlerin ist selbst anwesend, gibt ein kurzes, grundsympathisches Grußwort von der Treppe und eröffnet dann die Ausstellung im ersten Stock. 

Als die Besucher*innen in den Saal strömen, in dem die Serie „Herstories“ mit überlebensgroßen Stoffbildern von Romnja hängt, lässt sich förmlich spüren,

wie sich der rauschhafte Effekt der Farben, Texturen, Details und nicht zuletzt der dahinterliegenden Geschichten von Engagement und Widerstand auf sie überträgt. „So etwas habe ich noch nie gesehen!“ und „Das ist ja unglaublich!“, raunen sich die Leute zu, die staunend vor Abbildungen der Menschenrechtsaktivistin Shpresa Agushi, der Rapperin und Schauspielerin Simonica Selimović und vielen mehr stehen. Die Werke von Mirga-Tas bestehen im Wesentlichen aus Patchworkvernähungen recycelter Kleidungsstücke und entfalten ihre Wirkung durch alltagsnahe 3D-Materialität und gleichzeitig durch die starken Inhalte. 

Grüne Röcke werfen Falten, weiße Spitze flattert aus dem Bild, üppige Ketten baumeln von Hälsen, goldene Kordeln ragen als Taschenhenkel aus Paravents, sichtbare Rückseiten sehen aus, als seien für sie Bettbezüge oder Tischdecken genutzt worden. Die Spielfreude und Detailverliebtheit in der Gestaltung zieht sich als dunkler Faden weiter durch die abgebildeten Thematiken, die von der Verarb…