Filmtipps 01/26
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Lesbian Space Princess
Saira lebt auf Clitopolis, einem von Lesben und Queers bevölkerten Planeten in der Gay-Laxy. Doch obwohl sie Prinzessin ist – und ihre Finger quasi-magische Fähigkeiten haben –, plagt sie ein geringes Selbstwertgefühl: Ihre Königinnen-Mütter sind beliebter als sie; außerdem ist sie Dauer-Single. Auch dieses Jahr wird sie zum jährlichen Lesbenball wohl allein erscheinen, denn Kiki macht kurz vorher mit ihr Schluss. Doch dann wird Kiki von Bösewichten entführt: den Straight White Malians. Um sie zu retten – und vielleicht ihr Herz zurückzugewinnen –, reist Saira durch das gefährliche heterosexuelle Universum. Auf der Suche nach einer geheimen Wunderwaffe begegnet sie Allys und Widersacher*innen, vor allem aber sich selbst.
Mehr soll über den Ausgang nicht verraten werden, aber der Teaser zeigt schon: Die Animation „Lesbian Space Princess“ spielt fantasie- und humorvoll mit queerfeministischen sowie antirassistischen Diskursen und Klischees. Emma Hough Hobbs’ und Leela Vargheses Debütfilm sorgt für gute Feelings und Gelächter im Kino – und hat dafür auf der Berlinale 2025 den queeren Filmpreis gewonnen. Der Filmverleih Salzgeber kritisiert jedoch zu Recht, dass „die Sittenwächter*innen des FSK“ den Film aus nicht nachvollziehbaren Gründen erst ab 16 Jahren freigegeben haben. Merle Groneweg
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„Lesbian Space Princess“ AU 2025 ( Regie: Emma Hough Hobbs und Leela Varghese. 86 Min., Start: 22.01. )

Little Trouble Girls
Singen, atmen, flüstern, stöhnen. Neue Töne für die 16-jährige Lucija (Jara Sofija Ostan) beim Probenwochenende des Mädchenchors im katholischen Kloster. Gespräche über Periode, rote Lippen, Flaschendrehen im Schlafsaal, Handwerker im Hof, Kussübungen und die spezifische Erregung beim Übertreten von Verboten – all das führt die christlich erzogene Protagonistin in Versuchung.
Ausgerechnet im Kloster, umgeben von einer geballten Ladung XX-Chromosomen, angeregt von der feierlichen Atmosphäre, erlebt sie eine Sinnesexplosion. Die Marienstatue, Lieder über Christi Fleisch, die Blüten im Klostergarten, die neuen seidigen Kostüme, all das Schöne und Lebendige versprüht mit einem Mal Erotik: Coming-of-Age als Umprogrammierung der Sinne und Synapsen. „Woher weiß ich eigentlich, ob mir jemand gefällt?“, fragt Lucija. „Es fühlt sich warm an“, entgegnet ihre neue Vertraute, die ungestüme Ana Maria (Mina Švajger). Lucijas Ruhe ist dahin.
Regisseurin Urška Djukić inszeniert ihr Spielfilmdebüt als frische Story über erwachende Sexualität, hier von einer übergriffigen Teenie-Freundinnenschaft stimuliert. Die Kamera (Lev Predan Kowarski) wählt unkonventionelle Bildausschnitte und nimmt uns mit auf die aufregende Entdeckungsreise einer starken und zarten jungen Frau. Anna Opel
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„Little Trouble Girls“ SI/IT/HR/RS 2025 ( Regie: Urška Djukić. Mit Jara Sofija Ostan, Mina Švajger, Saša Tabaković u. a., 89 Min., Start: 29.01. )

Silent Friend
Hauptdarsteller in „Silent Friend“ ist ein majestätischer Ginkobaum im botanischen Garten der mittelalterlichen Universitätsstadt Marburg. Der Baum gewährt als stiller Erzähler Einblick in das Schaffen dreier Wissenschaftler*innen aus unterschiedlichen Epochen. In der Isolation der Pandemie entdeckt 2020 ein Neurowissenschaftler (Tony Leung Chiu-wai), der eigentlich zur kognitiven Entwicklung von Babys forscht, den Ginkobaum als Forschungsobjekt. Dabei macht er erstaunliche Entdeckungen im Feld der Pflanzenkommunikation. Allem Widerstand zum Trotz hält 1908 die erste Studentin der Uni (Luna Wedler) mithilfe der Fotografie die faszinierende Architektur der Pflanzenwelt fest. Durch die intensive Beobachtung einer Geranie erkennt 1972 dann ein junger Student (Enzo Brumm) das Potenzial einer lautlosen, aber erkennbaren Verbindung zwischen Mensch und Pflanze.
Mit „Silent Friend“ ist Ildikó Enyedi ein poetisches Meisterwerk gelungen. Themen aus früheren Werken greift sie auch hier auf: die Magie von unsichtbaren Kräften, komplexe menschliche Beziehungsgefüge und die Wirkung wissenschaftlicher Erkenntnisse auf das tägliche Leben. Ab der ersten Szene besticht der Film durch eine beeindruckende Bildsprache sowie stilgebende Lichteffekte und Farbkompositionen. Stets im Zentrum: der Ginkobaum, der über Raum und Zeit hinweg das Leben um sich schart. Sandra Prinz
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„Silent Friend“ DE/FR/HU 2025 ( Regie: Ildikó Enyedi. Mit Tony Leung Chiu-wai, Luna Wedler, Enzo Brumm, Léa Seydoux u. a., 147 Min., Start: 22.01. )

Die Solisten
Eine verlassene Fabrikhalle, zehn Alleinerziehende und ein Opernsänger. Das ist alles, was Regisseurin Anna Hepp braucht. Anstatt uns die altbekannten Bilder von Küchen, in denen Brote geschmiert und parallel andere Arbeiten verrichtet werden, zu zeigen, lädt sie ihre Protagonist*innen ein, schlicht zu erzählen. Zehn Personen schildern ihre Erfahrungen, wandern und tanzen durch die Industriekulisse und unterhalten sich miteinander. Thematisch begegnen sich dabei gewollte und ungewollte Trennungen, Verluste, Sorgerechtskämpfe, häusliche Gewalt und immer wieder psychische und physische Überlastung, Geldsorgen, Grenzüberschreitungen, Einsamkeit und eine gute Portion Systemkritik. Aus dem Off wird all dies durch gesungene Beleidigungen und Vorurteile, denen Alleinerziehende ausgesetzt sind, begleitet. „Die Solisten“ ist keine klassische Doku, es ist mehr eine experimentelle Performance – ein Versuch, Austausch, Verständigung und Zusammenhalt zu ermöglichen. Zu weiten Teilen funktioniert das auch und der Film zeigt eindrücklich, wie flächendeckend die Problematik der unbezahlten Care-Arbeit ist. Allerdings haben nicht alle Teilnehmenden gleich viel Redezeit und es fehlen sehr offensichtlich queere sowie mehrfach marginalisierte Perspektiven. Avan Weis
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„Die Solisten“ DE 2025 ( Regie: Anna Hepp. 83 Min., Start: 29.01. )

Wir, die Wolfs
Der deutsche Geologe und Botaniker Theodor Wolf (1841–1924) hat Spuren in Ecuador hinterlassen: Straßen, Schulen sowie Tiere und Pflanzen (etwa der Octopus wolfi) sind nach ihm benannt, sein spanischer Wikipedia-Eintrag ist doppelt so lang wie der deutsche. Während der 21 Jahre, die er in Ecuador lebte, bekam Wolf fünf Kinder. In der Doku „Wir, die Wolfs“ versucht Ururenkel Darío Aguirre aufzulösen, wer die Mutter dieser Kinder war. Die innerhalb der Familie tradierten Geschichten, offizielle Dokumente und weitere Unterlagen erzählen verschiedene Versionen – handelt es sich um die Ehefrau, eine Hausangestellte oder waren es gar zwei Mütter?
Aguirres Spurensuche zeigt, wie gering damals das Interesse an den Biografien von Ecuadorianer*innen, gerade von Frauen, gerade von Indigenen, war. In seinen Erinnerungen beklagt Wolf, dass er die Natur zurücklassen muss, erwähnt seine ecuadorianische Familie aber mit keinem Wort; die deutschen Verwandten wussten lange nichts von ihr. „Wir, die Wolfs“ wirft Identitätsfragen auf: Was bedeutet es für das Selbstverständnis der Nachfahr*innen, von einem Deutschen abzustammen, der sie verleugnete? Die langsame Erzählweise der Doku mit wenigen Schnitten vermittelt dem*der Zuschauer*in das Gefühl, selbst die Gespräche mit den Familienmitgliedern zu führen. „Wir, die Wolfs“ ist ein angenehm unaufgeregter, intimer Film, der trotz seiner speziellen Ausgangssituation erstaunlich universell ist. Isabella Caldart
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„Wir, die Wolfs“ DE 2025 ( Regie: Darío Aguirre. 98 Min.,
Start: 22.01. )

White Snail
Nach einem Selbstmordversuch sucht das junge Model Masha (Marya Imbro) die Nähe zu dem älteren, volltätowierten Misha (Mikhail Senkov), der in einer Leichenhalle arbeitet. Sein Beruf ist es, die Toten zu obduzieren und für die Beerdigung vorzubereiten. Seiner wahren Berufung geht Misha in seiner Freizeit nach: Mit Öl malt er verstörend schöne Körperbilder. Aufgrund der politischen Lage ist es unmöglich, sie in seiner Heimatstadt Minsk in Belarus auszustellen, und so ist jeder Zentimeter der tristen Wohnung mit Leinwänden zugestellt. Nur an der Oberfläche erscheinen Masha und Misha unterschiedlich, auf poetische und gleichzeitig unsentimentale Weise zeigt sich im Laufe der Handlung, dass es sich bei den beiden um zwei Seiten derselben Medaille handelt: Seelenverwandte, die sich erkannt haben. Masha ist der Tag und Misha ist die Nacht – oder ist es umgekehrt?
„White Snail“ ist ein Film für alle, die sich abseits von Erzählkonventionen überraschen lassen wollen. Es ist ein politischer Film. Eine Liebesgeschichte. Ein Film, der sich selbst in die Menschen, von denen er erzählt, verliebt hat. Ein Ereignis, das in Locarno mit dem Spezialpreis der Jury und dem Leopard für die beste schauspielerische Leistung der beiden Hauptdarsteller*innen ausgezeichnet worden ist. Zu Recht. Jessica Lind
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„White Snail“ AT/DE 2025 ( Regie: Elsa Kremser, Levin Peter. Mit Marya Imbro, Mikhail Senkov u. a., 115 Min., Start: 29.01. )

Aisha Can’t Fly Away
Täglich bewegt sich Aisha (Buliana Simon Arop) durch Wohnungen in Kairo und versorgt dort ältere Menschen. Die junge Sudanesin ist eine von vielen Frauen, die als Migrantinnen für einen Pflegevermittlungsservice arbeiten und sich damit in einem Massenmodell der Ausbeutung befinden. Die finanziellen Zwänge in ihrem Leben sorgen auch dafür, dass sie von ihrem Vermieter erpresst wird. Er, ein junges Gangmitglied, fordert sie auf, die Schlüssel ihrer Klient*innen zu kopieren und so zur Komplizin von stillen Überfällen zu werden. Als eine dieser Diebesaktionen jedoch in einem schweren Übergriff endet, gerät der Deal der beiden ins Wanken – und damit auch Aishas prekäre Wohnsituation. Was darauf folgt, ist Aishas Suche nach möglichen Verbündeten und Wegen, dem Albtraum zu entkommen.
Morad Mostafas Debüt bewegt sich zwischen Drama, Thriller und Body Horror und erzielte nicht zuletzt aufgrund seiner visuellen Tiefe internationale Anerkennung. Durch das Aufgreifen einer sudanesischen Fluchtgeschichte möchte Mostafa eine lang vernachlässigte Lücke im ägyptischen Film füllen. Leise und schmerzhaft enttarnt sein Film deshalb, mit welchen feindseligen Zähnen das Patriarchat zubeißt und sich diejenigen schnappt, die dem Elend von Migrationsregimen nicht ausweichen können. Aleyna Dilan Karakurt
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„Aisha Can’t Fly Away“ EG/SD/TN/SA/QA/FR/DE 2025 ( Regie: Morad Mostafa. Mit Buliana Simon Arop, Ziad Zaza, Emad Ghoniem, Mamdouh Saleh u. a., 123 Min., Start: 22.01. )

Ein einfacher Unfall
Ein Mann mit Gehbehinderung namens Eghbal (Ebrahim Azizi) landet nachts mit seiner hochschwangeren Frau und dem gemeinsamen Kind in der Werkstatt von Vahid (Vahid Mobasseri). Das Quietschen von Eghbals Beinprothese löst bei Vahid Panik aus: Er glaubt, in Eghbal den Folterer wiederzuerkennen, der ihn einst mehrere Monate lang im Gefängnis verhörte. Doch ist der Mann mit der Prothese wirklich sein Peiniger oder doch nur ein harmloser Familienvater? Was folgt, ist eine groteske Odyssee durch Teheran, bei der Vahid mit seinem Auto weitere mutmaßliche Opfer einsammelt – darunter die Hochzeitsfotografin Shiva (Mariam Afshari) und ein Brautpaar in voller Montur. Die Konflikte, die sich zwischen den Fahrgästen entzünden, symbolisieren auch die politischen Spannungen innerhalb der iranischen Opposition und stellen die Frage: Kann man sich an einem System rächen, indem man ein Individuum bestraft? Regisseur Jafar Panahis bewusst offene Antwort macht diesen emotional expliziten Film zu einem kraftvollen Statement gegen Tyrannei.
Gedreht wurde der Film ohne Drehgenehmigung, die Darstellerinnen tragen keinen Hijab. Bei der Cannes-Premiere erhielt Panahi minutenlangen Applaus und die Goldene Palme. Ein besonders starker Aspekt des Filmes: In seinem Widerstand gegen die Islamische Republik kritisiert Panahi nicht nur das Regime, sondern die iranische Gesellschaft in ihrer Gesamtheit. Negin Behkam
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„Ein einfacher Unfall“ IR/FR/LU 2025 ( Regie: Jafar Panahi. Mit Vahid Mobasseri, Mariam Afshari, Ebrahim Azizi u. a., 105 Min., Start: 08.01. )

Hamnet
Auf einer Wurzel liegt eine Frau in einem roten Kleid. Um sie herum ist Wald. Die Bäume ragen hoch auf, der Himmel ist nicht zu sehen, nur tiefes Grün. So wie der Hauslehrer William (Paul Mescal) seine Augen nicht von der selbstbewussten Frau mit Naturheilkundewissen lassen kann, so steht Agnes (Jessie Buckley) von Beginn an im Fokus für die Zuschauer*innen der Romanverfilmung. Die chinesische Regisseurin Chloé Zhao, die das Drehbuch gemeinsam mit der „Hamnet“-Autorin geschrieben hat, macht auf der Leinwand sofort greifbar, was Maggie O’Farrell in ihrem Roman zu Papier gebracht hat: einen Perspektivwechsel. Williams Nachname bleibt im Film lange unausgesprochen. Vielmehr wird er als Künstler in Beziehung zu anderen gesetzt und als misshandelter Sohn, Familienvater und Agnes’ Partner gezeigt. Wie in der Vorlage wird die Theorie verfolgt, dass der Tod seines elfjährigen Sohnes ihn zu seinem Werk „Hamlet“ inspirierte. Das historische Drama gibt sich jedoch nicht mit Leid als notwendigem Übel für Kunst zufrieden, sondern möchte das Menschsein ergründen. Die Anziehung schwindet, eine Frau muss ihre Kinder alleine erziehen, lähmende Trauer blockiert die Kommunikation. Agnes braucht bald kein rotes Kleid mehr – Darstellerin Buckley lässt den Tod des Kindes als Verlust eines Teiles des eigenen Selbst in jede Pore kriechen, sodass nur noch Schweigen bleibt, aus Ehrfurcht. Yuki Schubert
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„Hamnet“ UK/US 2025 ( Regie: Chloé Zhao. Mit Jessie Buckley, Paul Mescal, Emily Watson, Joe Alwyn u. a., 125 Min., Start: 22.01. )

Smalltown Girl
Von einer harmlosen Vorstadtgeschichte ist „Smalltown Girl“ weit entfernt; vielmehr braucht dieser Film eine deutliche Triggerwarnung. Die schüchterne Jonna (Luna Jordan) nimmt die rastlose Nore (Dana Herfurth) bei sich auf und lässt sich von ihrem ungebremsten Lebensstil mitreißen. Gemeinsam stürzen sie sich in Nächte voller Alkohol und landen immer wieder mit verschiedenen Männern im Bett. Erst als Jonna sich verliebt und Nore zunehmend im Rausch versinkt, beginnt Jonna, hinter die Fassade ihrer Freundin zu blicken.
Die Dialoge wirken zu Beginn irritierend aufgesetzt und unauthentisch, sinnbildlich für Nores Selbsttäuschung. Stück für Stück zeigt sich jedoch, was hinter ihrem Verhalten steckt. In ihrem autobiografisch inspirierten Film erzählt Hille Norden von einer jungen Frau, die wiederholt sexualisierte Gewalt erlebt. Repetitive Rückblenden führen immer wieder in Nores traumatische Erlebnisse mit Männern und zeigen den zerstörerischen Kreislauf, in dem sie feststeckt. Die Wut über die ihr teils sehr nahestehenden Täter ist schwer auszuhalten, zumal kaum einer der Männer die eigene Schuld anerkennt oder Konsequenzen befürchtet. Zwar gewinnt der Film im Verlauf an Tiefe, doch das stereotype Narrativ der promiskuitiven, psychisch vorbelasteten Frau bleibt leider bestehen. Jaqueline Frank
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„Smalltown Girl“ DE 2025 ( Regie: Hille Norden. Mit Dane Herfurth, Luna Jordan, Vera Fay u. a., 122 Min., Start: 15.01. )

Mother’s Baby
Julia (Maria Leuenberger) und Georg (Hans Löw), beide um die vierzig und beruflich erfolgreich, wünschen sich ein Baby. Doch dann ist es da und nichts stimmt. Die Eltern dürfen es wegen Komplikationen bei der Geburt erst am nächsten Tag sehen. Zu Hause füllt sich dann zwar die Wiener Loftwohnung mit pastelligen Kuscheltieren, aber Julia fremdelt mit dem Baby. Warum hat es nie Hunger? Warum ist es so ruhig? Warum ist ihr als Mutter eines Neugeborenen so langweilig? In ihr erwacht ein Verdacht, der etwas mit gruseligen Vorgängen in der privaten Kinderwunschklinik zu tun hat, mit deren Hilfe das Baby gezeugt wurde.
Eine übergriffige Hebamme, medizinisches Personal, das nichts erklärt, aber immer wieder beteuert, alles sei ganz normal, Sprüche à la „entspannte Eltern, entspanntes Baby“ – es sind alltägliche Erfahrungen der frühen Mutterschaft, die die Regisseurin Johanna Moder nach und nach zu einem Psychothriller verdichtet. Dieses Gaslighting wäre eigentlich schon horrormäßig genug, doch dazu kommen biotechnologische Schreckensmomente. Die Bilder, die der Film von Kinderwunschklinik (schick, sphärisch, kühl) und Kinderwunscharzt (freundlich, undurchsichtig, göttlicher Herrscher über Leben und Tod) zeichnet, sind dabei etwas stereotyp. Denn das eigentlich Spannende sind die Fragen um postpartale Depression und um Tabus zu Fehl- und stiller Geburt, die der Film stellt und nicht beantwortet. Anna Mayrhauser
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„Mother’s Baby“ AT/CH/DE 2025 ( Regie: Johanna Moder. Mit Marie Leuenberger, Hans Löw, Claes Bang, Julia Franz Richter u. a., 108 Min., Start: 15.01. )
Dieser Text erschien zuerst in Missy 01/26.
