Schriftzug: Gen Z United
© Alicia Cruz Huayhua

September 2025 in Kathmandu: Der Singha Durbar, Sitz der nepalesischen Regierung, steht in Flammen, davor schwenken Demonstrierende die Totenkopf-und-Strohhut-Flagge aus der Anime-Serie „One Piece“. Auf der verrußten Mauer steht in dicken Lettern: „Ihr habt euch mit den Falschen angelegt“ – signiert von „Gen Z“. Innerhalb von zwei Tagen stürzte eine Bewegung aus unter Dreißigjährigen die nepalesische Regierung und jagte autoritären Regimes weltweit einen Schrecken ein. Könnte es sein, dass die „apathische“ Generation zu politischen Umwälzungen fähig ist? Die Verkannten, geboren zwischen 1996 und 2010, sind nicht nur chronically online,

sondern auch chronisch wütend, ein bisschen dreist und verdammt lustig dabei. Die jungen Demonstrierenden entwickeln schrittweise eine Bewegung, die nationale Grenzen überwindet, antipatriarchal agiert und alternative demokratische Entscheidungsprozesse etabliert. Und dass das mithilfe von Discord-Diskussionen, TikTok-Trends und Anime-Flaggen passiert, ist für Ü50-Patriarchen überfordernd. 

In Nepal begann der Widerstand mit einem Trend, der die privilegierten „Nepo-Kids“ der politischen Elite bloßstellte. „Ich habe den #NepoKids-Hashtag kurz vor dem Gen-Z-Aufstand zum ersten Mal auf TikTok gesehen“, erzählt Sadiksha Nepal, 21, aus Kathmandu in einem Zoom-Call mit Missy. Sadiksha ist Aktivistin für Geschlechtergerechtigkeit und Jugendemanzipation und war bei den Protesten selbst dabei. Die #NepoKids-Clips machten die extreme soziale Ungerechtigkeit sichtbar: Luxusflüge, Designer-Hauls, Selfies in Privatjets kontrastiert mit dem Alltag einer Jugend und Elterngeneration, in der das durchschnittlich…