Initiativen von Aktivist*innen, Ehrenamtlichen und Betroffenen übernehmen oft die Arbeit, die Behörden verweigern: in Lagern, bei Asylverfahren, auf dem Mittelmeer. Missy stellt sechs Grassroots-Initiativen vor.
Bethi: Women in Exile & Friends wurde 2002 von einer Gruppe geflüchteter Frauen in Brandenburg gegründet. Neun Jahre später öffneten wir uns auch für Aktivist*innen ohne Fluchterfahrung. Gemeinsam organisieren wir seitdem Empowerment-Workshops von und für geflüchtete FLINTA und kämpfen für die Verbesserung unserer Lebenssituationen. Ein wesentlicher Bestandteil unserer Arbeit sind außerdem die Besuche in isolierten Lagerunterkünften in Berlin und Brandenburg.
Ihr setzt stark auf Selbstorganisierung. Wie beeinflusst dieser Ansatz eure politische Arbeit? Wir sind die Expert*innen für unsere eigenen Probleme und können Räume schaffen, in denen wir uns gegenseitig stärken. Das machen wir nicht nur, indem wir uns unterstützen, sondern auch, indem wir gemeinsam politische Strategien entwickeln. Daraus entstehen Kampagnen wie „Keine Lager für Frauen! Alle Lager abschaffen!“, eine unserer zentralen Forderungen. Gemeinsam mit der Initiative „Nein zur Bezahlkarte Berlin/Brandenburg“ fordern wir auch die Abschaffung der Bezahlkarte für Geflüchtete, einer guthabenbasierten Debitkarte, die Bargeldabhebungen limitiert und den Umkreis einschränkt, in dem geflüchtete Personen einkaufen können.
Von welchen Problemen berichten euch geflüchtete FLINTA in den Unterkünften, die ihr besucht? Das größte Problem ist die Isolation, denn die meisten Unterkünfte befinden sich in abgelegenen Gegenden ohne regelmäßige Verkehrsanbindung. Viele Bewohner*innen berichten außerdem von täglicher geschlechtsspezifischer Gewalt und Rassismus. In den Unterkünften gibt es keine Privatsphäre. Zimmer, Badezimmer und Küchen werden geteilt. Besonders für FLINTA, die unter Traumata und sexualisierten Gewalterfahrungen leiden, sind diese Zustände sehr belastend. In letzter Zeit bemerken wir einen Anstieg an Gewalt gegenüber queeren Personen, allen voran trans Frauen. Sie reicht von Schlägen und Morddrohungen bis hin zu versuchten sexuellen Übergriffen. Von Mitarbeitenden in den Lagern gibt es keine Hilfe. Sie raten Betroffenen einfach, in ihren Zimmern zu bleiben.
Wie blickt ihr auf die Zukunft? Die Lebenssituationen geflüchteter Personen sind herausfordernd. Die grundlegende Ursache …