Gina Lisa Lohfink mit weoißer Lederjacke und Pelzkraken, wie sie ihr Gesicht zur Hälfte bedeckt.
© Juliette Moarbes

Aus der oberen Reihe des Snackautomaten feixt ein blassrosa Labubu, das eine winzige Latzhose mit Prada-Label trägt. Der Automat, hoch wie ein großer Mensch, so ein Modell, wie man es aus Büro-Cafeterien oder Hallenbädern kennt, steht auf der Dachterrasse von Gina-Lisa Lohfinks Wohnung. Im Automaten, neben dem rosa Grinsetierchen und ein paar ebenfalls pastelligen Artgenossen: koreanische Instantnudeln, Knabbereien, Energy-Drinks, Mini-Champagnerflaschen. Süß, denkt man sich, und vermutet eine niedliche Schrulle. Lohfink schaut gerne die Zeichentrickfilme von „My Little Pony“, sie trägt Crocs in der pinkfarbenen Hello-Kitty-Sonderediton und schminkt sich mit Barbie-Feuchttüchern ab – und wahrscheinlich, denkt man sich weiter, ist dieser Automat und sein Inhalt ein Geschenk an das Kind in ihr. Ein Belohnungssystem für gute Tage, oder ein Trostreservoir für die trüberen. Doch die Idee kriegt direkt einen Realitätsknacks. „Der Automat ist für die Gäste“, erklärt Lohfink. Für die fremden Leute, die ihre Wohnung auf Airbnb mieten, wenn sie selbst unterwegs ist. Und wieder flutscht das Bild davon, das man sich von ihr machen wollte. Was eben noch wie Selbstfürsorge aussah,

ist nun Service. Was eben noch wie ein Innerlichkeitsindiz wirkte, war bloß eine weitere Zuschreibung.

Gina-Lisa Lohfink war 2008 Kandidatin in der dritten Staffel von „Germany’s Next Topmodel“, belegte dort Platz zwölf und blieb im Kopf, weil das die Reality-TV-Ära war, in der Catchphrases wie „Zack die Bohne!“ noch als spontan etablierte Running Gags durchgingen statt als kalkuliertes, nach der Show auf T-Shirts druckbares Branding, und in der die Eigenheiten der Kandidatinnen echt wirkten – also so echt, wie das unter diesen absurden Umständen möglich ist – und nicht wie ein Persona-Pitch für weitere, lukrativere Engagements. Nach „GNTM“ kamen Angebote für andere Formate: „Die Alm“, ein paar Jahre später das „Dschungelcamp“, irgendwann auch „Kampf der Realitystars“ und „Forsthaus Rampensau“, wo sie meist als typisches Popartefakt der Nullerjahre, als Boulevardblondine zum Draufzeigen, gebucht war. Reality-TV ist traditionell kein Ort für Ambivalenzen, und Frauen wie Gina-L…