Porträt des Autors  Hanif Kureishi.
© Mimmo Frassinet

Am zweiten Weihnachtsfeiertag 2022 stürzt der britische Autor von „Der Buddha aus der Vorstadt“, einem der ersten breit rezipierten „postmigrantischen“ Coming-of-Age-Romane, in Rom von einem Stuhl – und ist fortan vom Hals abwärts gelähmt. Über Monate veröffentlicht er auf Substack Beiträge, die er entweder seiner Partnerin oder seinem Sohn in einem der fünf Krankenhäuser, in denen er über ein Jahr lang lebt, diktiert. Schließlich entsteht aus diesen Beiträgen „Shattered. A Memoir“, so der treffendere Originaltitel des Buches.

Düster und humorvoll lässt Hanif Kureishi die Leser*innen an seinem Alltag teilhaben, der von Langeweile und depressiven Gedanken, Hilflosigkeit und vor allem den Menschen um ihn herum – Physiotherapeut*innen, Pfleger*innen, Familie, Freund*innen und Mitpatient*innen – geprägt ist. Es geht um die Angst davor, eine Belastung zu sein, Macht durch seine Ohnmacht auszuüben und gleichzeitig der Situation ausgeliefert zu sein. Auch die Beziehung zu seiner Partnerin, die auch mal mit einem Kommentar in den Text interveniert, ist Thema: wie sie sich durch die Pflege, die sie ihm entgegenbringt, verändert hat. Und die Frage, ob er dasselbe für sie tun würde. Neben seinen drei Söhnen seien es vor allem Frauen, die sich um ihn kümmerten.

Der heute 71-Jährige zieht nicht nur einmal den Vergleich zu Kafkas zum Käfer gewordenem Gregor Samsa, als er hilflos im Krankenhausbett liegt. Hier wiederholen sich die Gedanken wie im Krankenhausalltag die Handlungen – und prägen sich dadurch als störende Routine ein. Es geh…