© Atelier Walderdorff

Mini hatte eine Residency in der Schweiz. Sie freute sich sehr auf ein neues Land mit ihr unbekannten Bräuchen. Unter anderem wunderte sie sich dort über die vielen Putzmaschinen, die sie sonst nirgendwo gesehen hatte. „So viel hygienische Innovation“, dachte Mini. „Jedes Staubkorn wird aussortiert. Mit einer beweglichen Plattform wird eine Person auf den See hinausgeschickt, um jedes Blatt einzusammeln, damit der See auch im Herbst glänzt. Ein Lkw wird durch einen Scherenmechanismus in die Luft gehoben, weil die Arbeiter*innen den Haltestellenpilz so besser erreichen können. Die Kühe verwenden selbstständig eine Poliermaschine und stinken nicht!“ Mini war begeistert: „Man kann hier vom Boden essen!“

Minis kleine Stadt in der Schweiz war selbst im Vergleich zu anderen Schweizer Städten reich, was mit sich brachte, dass Menschen mit beigen Mänteln und aufgepimpten Old­timerkreationen auf den Straßen paradierten. Z. B. sah Mini einen Mercedes Silberpfeil aus den 1930er-Jahren, ein Auto wie damals in Entenhausen, das stellenweise vergoldet war. Sie blieb auf dem Zebrastreifen stehen und bewunderte das Auto, als es passierte: Sie wurde von einem impulsiv überholenden SUV überfahren. Und jetzt ist sie tot. Oje. Von einem Erben in einem SUV zur Palatschinke gemacht. Von einem Steuerbegünstigungsfan aus einem großen Konzern in ihrer Existenz annulliert. Von einem Golfspieler in die Erde gestopft, um das Gras von unten anzuschauen. Von einem Gutsituierten aus der Situation entfernt. Von einem Arschloch gekillt. Von einem Unbekümmerten übersehen und ungefragt von Kummer befreit. Von einem Telefonierenden ins Netz geschickt. Von einem Italienisch-Esser in den Kreislauf der Materie zurückverfrachtet. Von einem O zu einem …