Queere Sims in Gefahr?
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Als Will Wright 1993 den ersten Prototyp eines Lebenssimulators vorstellte, nannte er das Projekt zunächst „Dollhouse“. Es war kaum mehr als ein Arbeitstitel, aber rückblickend wirkt er symbolisch für das, was „Die Sims“ später werden sollte: eines der wohl bedeutendsten Computerspiele für die queere Community. Umso größer war der Schock, als im September 2025 bekannt wurde, dass der Spiele-Publisher Electronic Arts für 55 Milliarden US-Dollar an eine private Equity-Firma verkauft wurde, die dem saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman gehört. Für queere Spieler*innen, die „Die Sims“ seit Jahrzehnten als virtuellen Raum für Fantasien diverser Lebensentwürfe nutzen, stellt sich die Frage: Was passiert mit ihren Sims, wenn sie in die Hände autoritärer Investoren geraten?
Seit „Sims 4“ können alle Spielfiguren im Stehen pinkeln, Frauen können Frauen schwängern und Gender lässt sich über Shapewear und Narben von Top-Surgerys markieren. Wer knapp bei Kasse ist,
gibt einen sogenannten Cheat ein und hat ein paar Hunderttausend „Simoleons“ mehr auf dem Konto. Im echten Leben läuft das nicht so. Für eine ganze Generation FLINTA-Spieler*innen der 2000er-Jahre erzeugte das Spiel deswegen ein Gefühl von Freiheit. Im viralen Video-Essay „Did The Sims Make You Gay?“ erörterte US-YouTuber Alexander Avilla, wie „Die Sims“ queere Identitätsfindung beeinflusst hat. Ein*e User*in kommentiert darunter: „Als ich mich vor meiner Schwester geoutet habe, war ihre erste Reaktion: ‚Ach, deswegen waren alle deine Sims gay?‘“
Kein anderes großes Gaming-Franchise hat eine derart große weiblich-queere Community: Rund sechzig Prozent der Spieler*innen sind cis Frauen, 13 Prozent nicht-binär und vier Prozent sind trans. Nur rund zwanzig Prozent sind cis Männer. Für viele war „Die Sims“ eine Spielwiese, auf der sie sich queeren Lebensweisen annähern konnten, zu denen ihnen im echten Leben noch der Mut fehlte. Ein Rückzugsort, an dem queere Liebeskonstellationen mögl…