© Lee Mosely

An ihr schönstes Rennen kann sich Langstreckenläuferin Fabienne Königstein noch genau erinnern. Das war im Frühjahr 2023, als sie in weniger als zweieinhalb Stunden den Marathon in Hamburg lief und nicht nur ihre persönliche Bestzeit knackte, sondern es obendrauf in die deutsche Bestenliste schaffte. Das Besondere: Gerade einmal neun Monate zuvor hatte sie ihre Tochter zur Welt gebracht. „Ich habe damit nicht gerechnet“, sagt Königstein gegenüber Missy. „Das war ein unglaubliches Gefühl, wieder im Elitefeld dabei zu sein. Ich war einfach stolz.“

Um wieder unter den besten Läuferinnen zu sein, musste Königstein hart trainieren und sich auf ihr ursprüngliches Leistungsniveau zurückkämpfen. Denn die Schwangerschaft war mit vielen Herausforderungen verbunden, sowohl körperlich als auch psychisch. „Das war eine große Umstellung. Ich hatte viele Unsicherheiten“, sagt Königstein. Damals trieben sie Fragen um: Wie trainiere ich richtig? Wie viel Belastung kann ich mir und meinem Kind zumuten? „Es gab praktisch keine Unterstützungsangebote. Ich war ganz auf mich allein gestellt.“ Ihr Trainer beendete die Zusammenarbeit, kurz nachdem sie ihm von der Schwangerschaft erzählt hatte. „Das hatte einen bitteren Beigeschmack.“ 

Was Königstein berichtet, legt ein Grundproblem im deutschen Leistungssport offen: Allzu oft erfahren Spitzensportler*innen massive Nachteile, sobald sie schwanger sind. Ihnen brechen Trainer*innen oder Sponsoren weg und sie haben mit finanziellen Unsicherheiten zu kämpfen. Erst vor wenigen Monaten äußerte die Schwimmerin…