Solidarität in Zeiten der Abschottung
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Vor etwas mehr als zehn Jahren begann das, was einige euphorisch „Sommer der Migration“ nannten. Andere verunglimpften es nur wenig später missmutig und missgünstig als „Flüchtlingskrise“. Wir alle erinnern uns an die Bilder aus jener Zeit: Menschen, die meist mit wenig mehr als ihrem eigenen Sein, manchmal von Sicherheitspersonal geleitet, über abseitige Straßen an den Grenzen Europas wanderten, auf Bahnhöfen ausharrten, bis sie es nicht mehr aushielten, und vor Grenzzäunen in ganzen Trauben warteten, bis sie durchgelassen wurden, bis sie sich irgendwann in Zügen und Bussen Richtung EU aufmachen konnten.
Sie kamen hauptsächlich aus Ländern, die von Krieg zerrüttet waren, aus Syrien, Afghanistan und Irak. Ein Schlüsselmoment war, als Tausende Menschen vom Budapester Hauptbahnhof aus über die Autobahn Richtung Österreich und Deutschland zogen. Das sprengte das dysfunktionale europäische Asyl- und Grenzregime.
Entgegen der weit verbreiteten Annahme wurden die Grenzen nicht aktiv geöffnet. Sie wurden – zur Überraschung vieler, die in diesem Moment mit diesen Menschen bangten und um sie fürchteten – nur nicht geschlossen.
Die enorme Solidarität und Hilfsbereitschaft von Millionen Menschen in Deutschland war eine weitere große Überraschung. Wir alle erinnern uns auch daran, dass viele zu den Bahnhöfen strömten und oftmals klatschend Nötigstes und manchmal sogar Liebevolles überreichten.
Der Sommer der Flucht war ein Sommer der Solidarität. Die Unterstützung kam wie aus dem Nichts und sie kam von überall: aus Nachbarschaftshilfen, neu aufkeimenden Initiativen und von großen Organisationen. Langsam zogen auch die staatlichen Stellen nach. Große Firmen lancierten Fonds und Diversitätskampagnen. Eine Welle der Sympathie und Hilfsbereitschaft durchströmte die Bevölkerung. Ein eindeutiger Wandel fand im Alltag und in den Medien statt und wurde von allen verstanden. Auch und gerade von denjenigen, die …