© Lucia Jost

Interview: Farina Dobs

Wie würdest du deinen Style beschreiben? Da tue ich mich schwer. Ich mag Kategorien nicht so. Aber ich würde sagen: ein bisschen Punk, ein bisschen Grunge und vielleicht so was wie genderfluid?

Wer oder was inspiriert dich? Berlin ist sehr inspirierend als Stadt. Ich habe das Gefühl, dass ich das sagen darf, weil ich von hier komme (lacht). Ich liebe es, dass ich in der U-Bahn sitze und fünf verschiedene Outfits sehe, die ich geil finde. Kunst und Mode leben davon, dass man sich inspirieren lässt. Wir sollten da mehr zusammenarbeiten und mehr miteinander teilen. Als ich aufgewachsen bin, habe ich meine Jeans richtig baggy runtergezogen. Das wurde mir von meinen Eltern verboten. Den größten Boost für mein Selbstbewusstsein und die größte Euphorie bekomme ich jetzt davon, meine Hose so baggy zu tragen, wie ich will. Ich stehe aber auch wieder sehr auf die 2010er, also die Skinny Jeans-Ära. Alles, was leicht ins Hässliche kippt … give it to me!

© Lucia Jost

Gibt es Styles, die du unbedingt noch mal ausprobieren willst? Ich fange langsam wieder an, mich mit meiner feminineren Seite auseinanderzusetzen. Das hat für mich – als nicht-binäre Person –
eine lange persönliche Geschichte. Ich fühle mich meistens in androgynen oder maskulinen Outfits wohler. Seitdem ich mich so anziehen „darf“ und kann, nutze ich jede Gelegenheit dazu. Aber in letzter Zeit habe ich das Gefühl, dass ich das langsam „dekonstruieren“ kann und wieder ein paar femininere Schnitte trage.

Gibt es für dich auch Fashion No-Gos? Ich würde ungern etwas Spezifisches sagen. Wenn du dich in etwas wohlfühlst, dann mach es, aber mach es nicht, weil du irgendwem etwas beweisen willst. Ich lebe nach dem Motto: „Sag niemals nie.“ Vor fünf Jahren hätte ich mir auch nicht vorstellen können, dass ich jetzt Skinny Jeans wieder gut finde. Keine Ahnung, was mir in weiteren fünf Jahren gefällt. Das will ich jetzt nicht eventuell verteufeln. 

IG: @fleurmus1k

Dieser Text erschien zuerst in Missy 01/26.