© Marina Rosa Weigl

Was bedeutet für dich „toxische Weiblichkeit“ – und wie grenzt du sie von toxischer Männlichkeit ab? Für mich haben die beiden Begriffe nicht immer so viel mit Geschlecht oder Gender zu tun. Wir alle können Anteile davon haben. Worum es mir im Stück geht, ist das Verschleiern toxischer Muster in queer-lesbischen Communitys und unter weiblich sozialisierten Menschen generell – sowie gewaltvolles Verhalten untereinander. Das wird oft übersehen oder toleriert.

Ein Hund spiegelt und kommentiert das Geschehen auf der Bühne. Gab es dafür ein Vorbild? Ja. Einerseits bestimmt ein paar Frauen, die ich gedatet habe,

und deren Beziehungen zu ihren Hunden. Und klar spiele ich da auch mit dem lesbischen Klischee, sich an den eigenen Hund zu klammern und ihn sehr stark zu personifizieren. Andererseits das Baby aus „Family Guy“. Der Hund hat eine ähnliche Funktion im Stück. Ich wollte eine Figur erschaffen, die total unhinged und wrong sein darf. Wer kann schon böse sein auf einen Hund?       

Wie gehen bei dir der antikapitalistische Ansatz von Riot Grrrl und die Profitmaximierung durch gecastete Girlbands zusammen? Das war eine bewusste Engführung. Wobei ich auch nach einem Pendant zum Begriff „Boi“ (junge, maskuline Lesbe, Anm. d. Red.) gesucht habe, was ja aus der Schwarzen queeren Community kommt. Und deshalb das Gurrrl im Titel des Stücks auch mit „u“. Die Band und deren Fans fühlen sich total progressiv, radikal und widerständig, aber stecken in Wahrheit eigentlich fest oder gehen sogar rückwärts. Sie recyceln Songs, Choreos und auch queere Theorien, kratzen da…