Du bist eine der bekanntesten ComicAutorinnen der Welt, aber trotzdem haben viele erst dann einen Aha-Moment, wenn es heißt: die Erfinderin des Bechdel-Tests. Die drei Fragen des Tests entlarven patriarchale Rollen in Spielfilmen, du hast sie vor über vierzig Jahren in einem Comic veröffentlicht. Welchen Platz hat diese kleine Stelle heute in deinem eigenen Leben? Ich finde es witzig, dass das die Sache ist, für die ich

am berühmtesten bin. Auch hier in den USA haben viele Leute noch nie meine Comics gesehen, aber den Bechdel-Test kennen sie. Sie sind oft erstaunt, dass es eine tatsächliche Bechdel gibt, die dazugehört! Ich hatte nie vor, aus den drei Fragen danach, ob überhaupt Frauen in der Handlung vorkommen, einen offiziellen Test zu machen, es ist einfach passiert. Gefühlt habe ich den Cartoon vor tausend Jahren gezeichnet, als Lesben sich darüber lustig machten, dass es damals keine Filme mit relevanten Frauenfiguren gab. Filme handelten von Männern, und Frauen waren nur Schablonen. Daher ist es erfreulich, dass heute auch im Mainstream mehr darüber geredet wird und mehr und mehr Filme den Test bestehen. Aber ich habe trotzdem eine seltsame Beziehung zu der ganzen Sache. Und klar hat ein feministisches Bewusstsein auch einen Preis. Sobald dir klar wurde, was abgeht, konntest du Popkultur nicht mehr auf dieselbe Weise genießen. Du konntest nicht einfach in einen Schwarzenegger-Film gehen und dich amüsieren, weil du auf einmal ge…