Schaut man sich im Journalismus um, sieht man vor allem eines: Ähnlichkeiten. Die Mehrheit der Journalist*innen ist weiß, akademisch ausgebildet und nicht behindert. Menschen mit Behinderung kommen selten selbst zu Wort. Clara Porák, Geschäftsführung des Verlags Andererseits, bemerkte dies 2020, als sie für ein deutsches Medium über ihren mit Trisomie 21 lebenden Bruder schrieb. Das Feedback aus dem Redigat: Schade, dass

ihr Bruder den Text nicht selbst schreiben kann. Doch warum eigentlich nicht?

Menschen mit Behinderung machen in Österreich laut Statistik Austria 24,7 Prozent der Bevölkerung aus. Im Journalismus finden sie jedoch nur selten Platz. Clara Porák und zehn weitere junge Journalist*innen gründeten deswegen mithilfe einer Crowdfunding-Kampagne das in Wien ansässige Magazin „Andererseits“. „Unsere größten Ziele sind inklusive, faire Arbeit und unabhängiger Journalismus“, sagt Chefredakteurin Lisa Kreutzer. Journalismus werde besser, wenn mehr Perspektiven und Lebensrealitäten einen Raum fänden. Sechs Mal im Jahr veröffentlichen sie ein gedrucktes Magazin und drehen Dokumentationen, um Missstände rund um Behinderungen aufzudecken. 

Die Redaktion von „Andererseits“ besteht aus zwölf Menschen, von denen die Hälfte mit Behinderung lebt. „Hinter subjektiven Erfahrungen stecken gesellschaftliche Strukturen. Diese decken wir auf“, erklärt Lisa Kreutzer. Für sie ist Inklusion ein Quali…