© Favia Lucero

Content Note: grafische Beschreibung von Gewalt

Mit wachem Blick und kerzengeradem Rücken sitzt Bianca Vergara an der dunklen Holztafel. Sie ist trans Sexarbeiterin und lebt in der mexikanischen Grenzstadt Ciudad Juárez. Während die wärmende

Mittagssonne durch die Eingangstür der weiß getünchten Backsteinfassade dringt und den schummrigen Eingangsbereich erleuchtet, erzählt Vergara die Geschichte dieses selbstverwalteten Hauses im Zentrum der Stadt, in dem Sexarbeiter*innen für ein paar Stunden Zimmer mieten oder wohnen können. Ciudad Juárez gilt als einer der gefährlichsten Orte in Lateinamerika, von Drogenkartellen und Banden beherrscht und von brutaler Gewalt gegen FLINTA gezeichnet – genau hier haben Bianca und ihre Kolleg*innen einen unwirklichen Ort geschaffen: selbstbestimmt und mit würdigen Arbeitsbedingungen. 

Im Haus gelten feste Regeln. An das strikte Drogen- und Alkoholverbot und die geregelten Arbeitszeiten halten sich Arbeiter*innen und Klienten gleichermaßen. „Über die Zeit haben wir unsere Erfahrungen gemacht, was funktioniert, was wir brauchen und wie wir die Bedingungen unserer Arbeit verbessern können.“ Üblicherweise gehe eine Schicht bis ins Morgengrauen. „Wir haben jedoch feste Öffnungszeiten von 8 bis 20 Uh…