Farbporträt der*des Autor*in
© Dorottya Marton

von Avan Weis

Lazi fährt von Deutschland nach Ungarn, um sich das Gewehr des Großvaters zu holen. Die Beweggründe dieses Vorhabens bleiben lange puzzleartig, die Ahnung, dass es eine späte Reaktion auf Gewalt in der Familie sein könnte, bestätigt sich aber recht schnell. Doch was ist passiert? Und auf welcher Seite genau?

Lazi weiß es für sich, einigermaßen jedenfalls. Ob, was und wie viel andere erlebt haben und wissen, zeigt sich zuweilen nur schleichend und bleibt oft versteckt hinter omnipräsentem Schweigen. Die ungarische Familie hat Lazi länger nicht gesehen, ihre Arme sind aber weit geöffnet und die Veränderungen, die Lazi durchläuft, werden – mit der ein oder anderen Unsicherheit – akzeptiert. Nur über die Familiengeheimnisse will niemand sprechen. Lazi hingegen will endlich Dinge verstehen. Oder zumindest eine Entscheidung treffen. Jeder Gedanke, jeder Satz, jedes Kapitel in „King Cobra“ ist minutiös und szenisch aufgebaut, die Sprache ist klar, direkt, packend, die Überschriften liefern den passenden Soundtrack. Es ist ein Buch, das zur Hälfte verstanden werden kann und zur anderen Hälfte gefühlt werden muss. Denn wenn es um die Wahrheit geht, wird es laut Muri Darida schwierig, speziell, wenn wir über Fiktion sprechen. Es geht eher um Wahrhaftigkeit und darum, dass die Geschichte in sich aufgeht.

Und d…