Queerfeministischer Punk
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Von Eva Szulkowski
Hältst du das aus oder findest du da raus?“, fragt Krätze, Sängerin der Punkband Deutsche Laichen, im Refrain der Single „Sturm“. Worum es geht, bleibt bewusst vage. Vielleicht um eine schwierige Beziehung, einen unguten Freund*innenkreis, ein kräftezehrendes Arbeitsumfeld – oder eben eine Szene, der man noch immer angehört, obwohl sie eine*n schon so oft enttäuscht hat. „Punk ist scheiße, Punk ist geil“ heißt die zweite Platte der Berliner Gruppe, die dieses Jahr ihr zehntes Jubiläum feiert. Sie bietet eine liebevolle und gnadenlose Bestandsaufnahme des Deutschpunk-Kosmos’ aus queerfeministischer Sicht.
In „Frisur“ reisen wir in die Jugend: „In dieser Kleinstadt rasieren wir uns die Haare ab“, heißt es in dem Lied, das 2016 spielt, dessen Quintessenz allerdings Punker*innen sämtlicher Generationen vertraut sein dürfte. Zärtlich, aber auch subtil selbstironisch blickt es auf die jugendliche Rebellion, die im Punk ihren Ausdruck fand. Diese bunte, laute Welt ist bei genauer Betrachtung leider nicht so frei und utopisch wie gedacht, zumindest nicht für alle („Wer schreibt hier die Regeln und wer hat hier das Sagen?“ aus „Storno“). Seit Mann den Punk erfand, ist die Szene im Kern ungefähr so sexistisch wie die Gesellschaft und die Diskussion, ob etwas oder jemand (noch) Punk sei oder schon „Pseudo“, bleibt vor allem typisch männliches Distinktionsgehabe. Gibt es hier noch etwas zu holen oder ist das alles verbrannte Erde?