Manchmal muss man seinen Algorithmus trainieren wie ein Tier. Ihr kennt das: Aus rätselhaften Gründen entscheidet die Maschine, die eure Tiktok-, Instagram- und YouTube-Startseiten füllt, dass ihr euch jetzt wahnsinnig für Rucksackreisen interessiert. Oder Sauerteigbrot. Oder das Christentum. Dann müsst ihr einige Zeit immer wieder entnervt auf „Nicht interessiert“ klicken, bis der Algorithmus zur Vernunft kommt. Auch ich musste in den vergangenen Wochen eine solche Kurskorrektur vornehmen.
Denn die Social-Media-Götter entschieden aus heiterem Himmel, dass sie meinen Freund hassen. Sie hassen natürlich nicht ihn als Person. Schließlich kennen sie ihn kaum. Aber sie hassen es, dass ich in einer Beziehung mit einem cis Mann bin. Plötzlich erklärt mir in jedem zweiten Video eine junge Frau, wie ich herausfinde, ob dieser lustige, entspannte und liebevolle Typ in Wahrheit der größte Bastard aller Zeiten ist und mich über kurz oder lang psychisch zerstören wird. „Boyfriend Testing“ nennt man das in Fachkreisen – also in zweistündigen Videoessays auf YouTube. Z. B. soll ich meinem Freund ohne jeden Kontext schreiben, ich hätte heute einen Vogel gesehen. Begeistert er sich dafür, fragt nach Farbe, Gattung oder sonstigen Details? Test bestanden. Ist es ihm egal? Dump him, sis. Denn das zeigt: Er interessiert sich nicht dafür, deine Freude an den kleinen Dingen zu teilen. Nein danke, lieber Algorithmus, nicht interessiert.