Comictipps 02/26
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Der Spalt
Ein beiger Hund mit blauen Augen blickt vom riesigen Buchcover. Halb melancholisch, halb bedrohlich, überlebensgroß. Auf dem Vorsatz stapft, ebenfalls überlebensgroß, ein pelzig behaartes Bein in hochhackiger Sandale in eine Bauernhofidylle. Pilzfigürchen rennen davon, ein dreibrüstiges, nacktes Fabelwesen weint. Willkommen im neuesten Werk der Comic-Zeichnerin und -Professorin Anke Feuchtenberger, die in „Der Spalt“ fünf bereits veröffentlichte grafische Geschichten versammelt. Ein Extra-Heftchen mit Texten über von ihr geschätzte Künstler*innen wie Kerstin Grimm, Gosia Machon oder Ellen Sturm liegt bei. So wie dieses Büchlein keine offensichtliche Verbindung zum Buch hat, so scheinbar zusammenhanglos flaniert Feuchtenberger in den gezeichneten Essays durch Rom, Paris, Wien oder ihr pommeranisches Zuhause, zeigt in düsteren Kohlezeichnungen rätselhafte Momentaufnahmen, in grell dunklen Farbbildern Stadt- oder Essensansichten. Ähnlich dem namensgebenden „Spalt“, der ebenso das unheimliche Verdrängte wie auch die Vulva als Urpsrung von allem bezeichnen könnte, verknüpfen sich in den Panels die ganz großen Fragen nach Erinnerung und Werden. Sonja Eismann
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Anke Feuchtenberger „Der Spalt“ ( Reprodukt, 112 S., 29 Euro )

Peri Meno
Geplagt von Schlaflosigkeit, Wut und Hitzewallungen, doch kaum jemand spricht darüber. In ihrem Comicdebüt „Peri Meno“ nimmt Rinah Lang den Hormonwechsel vor der Menopause genauer unter die Lupe. Mit dynamischen digitalen Bleistiftstrichen erforscht die Autorin ihre eigene Perimenopause: Sie steht kurz vor ihrem fünfzigsten Geburtstag, mit Kind und Partner, freiberuflich arbeitend und in Sorge um ein dementes Elternteil. In sehr persönlicher Detektivarbeit dokumentiert Lang detailliert körperliche und psychische Veränderungen in der hormonellen Umbruchphase. Wie eine Freundin teilt sie offen existenzielle Sorgen und Erkenntnisse, berichtet von Symptomen wie plötzlicher Vergesslichkeit, Stimmungsumschwüngen, Selbstzweifeln und weniger Lust. Lang, die Care-Arbeit für zwei Generationen gleichzeitig leistet, reflektiert nachdenklich und humorvoll ihre Zerrissenheit – gefühlt kaum in der Erwachsenenwelt angekommen und sich gleichzeitig des eigenen Alterns schmerzlich bewusst zu sein. Das Nachwort von Gynäkologin Prof. Dr. Mandy Mangler bestätigt Rinah Langs Ansinnen: weg mit dem Tabu, her mit Empowerment durch Aufklärung. Amelie Persson
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Rinah Lang „Peri Meno“ ( Carlsen, 192 S., 26 Euro )
Dieser Text erschien zuerst in Missy 02/26.