Malerei:schwitzende Rosen, eine Schale auf einem Tisch gefüllt mit einer flüssigkeit, daneben Damenhandschuhe.
@ Jeanine Brito

Die Menopause ist nicht bloß ein biologisches Ereignis, sie ist auch ein soziales Phänomen. Sie entlarvt die Frauen- und Altersfeindlichkeit unserer Gesellschaft. Sie ist eine Fläche, auf die Ängste, Machtansprüche und ökonomische Interessen projiziert wurden, seitdem Mediziner beschlossen haben, sie zum „kritischen Alter“ zu erklären.

Wer heute an Hitzewallungen, Stimmungsschwankungen oder den angeblichen Verlust der Attraktivität denkt, blickt nicht nur auf den Hormonspiegel, sondern auf

eine Geschichte der Deutungshoheit. Das Bild der Menopause, wie wir es kennen, ist zu einer bestimmten Zeit, an einem bestimmten Ort und in den Köpfen eines bestimmten Berufsstands entstanden.

Wir reisen dafür ins 19. Jahrhundert, in die studierten Stuben französischer Ärzte. Hier, zwischen Revolutionsrhetorik und aufkeimendem Nationalismus, wurde die Menopause erfunden – als Begriff und als Problem. Der Arzt Charles-Pierre-Louis de Gardanne gab ihr 1821 nicht nur einen Namen, sondern auch das gewisse Drama, ohne welches die heutige Milliardenindustrie rund um diese Lebensphase gar nicht vorstellbar wäre. 

In seinem Werk „De la ménopause ou de l’âge critique des femmes“ beschreibt Gardanne, dass eine Frau in den Wechseljahren ihre „Reize“ verliere, sie selbst sich die Zukunft in den traurigsten Farben ausmale und ihre Fantasie „eitle Chimären“ erschaffe. Er listete über fünfzig angebliche Beschwerden auf, von Nymphomanie über Hysterie bis hin zu Krebs. Die Botschaft war klar: …