Giulia Andreanis „Sabotage“ im Hamburger Bahnhof
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© Giulia Andreani und ADAGP, Paris 2026; Courtesy die Künstlerin und Galerie Max Hetzler, Berlin | Paris | London | Marfa, VG Bild-Kunst, Bonn 2026 / Foto: def image
„Du kannst nicht Feministin und Malerin sein“, wurde Giulia Andreani gesagt. Figurative Malerei sei reaktionär. Für die in Mestre geborene, in Venedig an der Kunstakademie ausgebildete und nun in Paris lebende Bewunderin von Hannah Höch und Gerhard Richter war das kein Hindernis, sondern ein Ansporn. Den Klischees vom patriarchalen
Malerfürsten und rein dekorativer Kunst setzt sie ihr akribisch recherchiertes Malen nach Fotos entgegen, das sich den Abwesenden der Geschichte widmet. Diese sind bei ihr fast ausschließlich weiblich: vergessene Pionierinnen, aber vor allem anonyme Frauenfiguren. Wäscherinnen, Stickerinnen, Fabrikarbeiterinnen, alleinerziehende Mütter, die offiziellen Geschichtsschreibungen keine Fußnote wert sind.
Emblematisch für ihre Methode ist das Werk „L’improduttiva“ („Die Unproduktive“) von 2023. Für eine Ausstellung in der Collezione Maramotti, die vom Gründer des Modelabels Max Mara ins Leben gerufen wurde, erhielt sie Zugang zu dessen Fotoarchiv. Ein Bild eines Nähateliers erregte ihre Aufmerksamkeit: Darauf ist ein Raum voller junger Frauen zu sehen, die sich konzentriert über ihre Nähmaschinen beugen. Nur eine von ihnen schaut keck und widerborstig in die Kamera. Andreani malte sie als moderne, widerständige Mona Lisa. Durch ihre ausschließliche Verwendung der Farbe Payne’s Grey – eine vo…