Porträtfoto von Eva von Redecker
© Sophie Brand

Faschismus: Der Begriff taucht auch im liberalen Mainstream immer häufiger auf, um aktuelle politische Entwicklungen zu diskutieren. In „Dieser Drang nach Härte“ beschreibst du zunächst, wie diese Diskussionen häufig ins Leere laufen. „Faschismus“ ist als Begriff weitgehend entleert. Unterschiedliche Lager werfen sich gegenseitig vor, faschistisch zu sein:

Feminist*innen sprechen von Faschist*innen, die Gegenseite von „Feminazis“. Außerdem kapert die politische Rechte Begriffe, die vor allem mit antifaschistischen Positionen verbunden waren – etwa „Freiheit“ –, und widmet sich vermeintlich dem Kampf gegen Antisemitismus, der von rechts dann nur noch als „importiert“ oder linksextrem in den Blick kommt. Gleichzeitig klebt die Faschismusdiskussion an historischen Analogien. Vergleiche zu den 1930er-Jahren werden entweder vorschnell gezogen oder infrage gestellt. Erinnert man an die Bücherverbrennungen der Nazis, wenn in den USA Bücher zu trans Identitäten oder Critical Race Theory aus Curricula verbannt werden, heißt es oft: So schlimm wie damals sei es ja nicht. Aber darf man Faschismus erst benennen, wenn die Vernichtungspolitik von Bevölkerungsgruppen bereits vollzogen ist? Dann kommt jede Diagnose zu spät.

Du analysierst Faschismus als den Exzess dessen, was in der bürgerlichen Gesellschaft heilig ist: das Eigentum. Rechte Politik konzentr…