Von der Schönheit Faschisten zu töten
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Interview: Sonja Eismann
Wer war Catarina Eufémia?
Eine portugiesische Saisonarbeiterin, die am 19. Mai 1954 während der faschistischen Salazar-Diktatur mit anderen Erntehelferinnen für einen höheren Lohn demonstrierte. Sie war erst 26 Jahre alt und hatte das jüngste ihrer drei Kinder auf dem Arm, als sie von einem Nationalgardisten erschossen wurde. In dem Stück des portugiesischen Autors Tiago Rodrigues ist diese Tötung der Ausgangspunkt für eine Familientradition. Eine enge Freundin von Catarina wurde Zeugin der Ermordung und beschloss danach, an jedem Todestag aus Rache einen Faschisten umbringen zu lassen.
Wie stehen Sie zur Drastik des Titels?
Natürlich ist er kontrovers, aber ich verteidige ihn vor allem aus einem Grund: Die westliche Welt wird sehr bald mit genau den Dilemmata konfrontiert sein, die unser Stück thematisiert. Deshalb ist ein Titel, den man nicht so einfach ignorieren kann, nicht nur gerechtfertigt, sondern notwendig. Wenn auch nur eine einzige Person – irritiert oder begeistert davon – beschließt, sich das Stück anzusehen und über seine Themen nachzudenken, hat er seine Aufgabe erfüllt.
Das Recht des Stärkeren als Weltordnung scheint immer weniger hinterfragt. Ist linke Gewalt gegen rechte Dominanz wirksam?
Für mich ist der zentrale Gedanke des Stückes die Frage einer Mutter an ihre Tochter, als die Tochter zögert, zur Mörderin zu werden: „Ich bin bereit, für das, woran ich glaube, zu sterben und zu töten. Was ist mit dir?“ Ich fürchte, dies ist eine der Schlüsselfragen, mit denen wir im heutigen zerbrochenen, ver…