Malerei: verschiedene Kannen und Vasen aus denen sich Wasser von einem in das nächs

Artwork: Jeanine Brito

PeriMenoLust

„Morgens bin ich immer müde, aber abends werd ich wach …“, so der Soundtrack meines Alltags. Ich bin in der Perimenopause, das ist die Zeit (wie lang wohl?) vor dem Ausbleiben der letzten Regel (Menopause). Wie das Wort „Pause“ da reinkommt, weiß ich nicht. Vielleicht gibt es doch ein Leben nach dem Tod? Anfühlen tut es sich oft wie dieses Reel: Eine Frau steht mitten im Sturm, Regen und Wind zerren an ihr. Dazu der Text „when you think midlife is ok …“ – plötzlich fliegt ihr ein großer Fisch an den Kopf, wirft sie zu Boden: „… then perimenopause hits you!“ Abends kann ich die Szene besonders nachempfinden. Mein Östrogenspiegel ist niedrig, dafür rast das Herz, als hätte ich mir eine fette Line Cortisol gelegt. Mit meinen Freund*innen kann ich darüber sprechen, einfach lachen oder von Sex erzählen; oft alles zusammen. Wir gehen noch gern aus, zwar meist ohne Alkohol, aber hin und wieder wie im eingangs zitierten Song: „In der Bar ‚Zur Flotten‘ bin ich außer Rand und Band“. Wir lesen Bücher wie „The Ethical Slut“ oder „How To Piss Off Men: 109 Things To Say To Shatter The Male Ego“ und leben offene Beziehungen. Wenn ich also nachts da liege in meinem T-Shirt mit der Aufschrift „Perimenopause because puberty wasn’t dramatic enough“, denke ich an eine zarte Person, mit der ich neulich sehr lange an einer Bar stand. Wie wir uns angesehen haben, das ganze Neuentdecken eines fremden Körpers:

Gänsehautgefühl. Oder an das Video einer Freundin, wie sie nach der Weihnachtsfeier im Bett neben zwei Kollegen aufwacht. Oder daran, dass Madonna und Cher sehr viel jüngere Lover haben – Hinweis: Your partner isn’t born yet. Vielleicht ist das umgekehrter Ageismus? Bestimmt, aber entscheidend ist: Wir haben jetzt einfach eine große Altersspanne zur Auswahl. Was weniger wird: die Scham. Dafür, dass unsere Körper so sind, wie sie sind, dass sie Fehlgeburten, Abtreibungen, Unlust und so viel Schönes erlebt haben.

Ich kann heute schlicht sagen: „Ich möchte Sex, jetzt, mit dir – und mit dir nicht.“ 

Das ist es, worauf ihr euch in den mittleren Jahren freuen könnt: die PeriMenoLust. Oder wie es im Soundtrack meines Alltags heißt: „Denn wenn tausend Lichter glühen – bin ich da – ganz groß.“ Nike Wessel

Perimenopause, Stress oder Burn-out?

Mit Anfang vierzig fing es an: Zyklusveränderungen, Gewichtszunahme, Brain Fog, extreme Müdigkeit, Angst…