Kinderwunschpanik
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Sie ist elf, vielleicht 13, egal, als Yade Yasemin Önder in Wiesbaden oder Kaiserslautern beginnt, Gedichte zu schreiben und in einer FLINTA-Punkband namens Not Amused zu spielen, weil sie merkt, dass Dinge nerven. Mädchensein, zum Beispiel. Oder Deutsch-Türkin.
„Ich komme aus einer Zeit, in der der Mann das Sagen hatte,
wie der weibliche Körper auszusehen hat, und jedes Abweichen krass sanktioniert wurde“, erzählt sie und ihre Texte erzählten es schon früh. „Ungefähr so, wie ich lange versucht habe, die Hälfte meiner Identität zu unterschlagen, weil ich nicht die sein wollte, die nach Knoblauch stinkt“, erinnert sich Önder. Heute, hier, mit vierzig, in dieser Altbauwohnung in Neukölln, wo es nach Kaffee duftet und Blumen und nach drei Jahren Kernsanierung – „Hölle, aber was soll man machen?“. Hier, wo sie, die von einer Uraufführung am Wiener Burgtheater bis zum treuesten Hund Berlins, der nebenan auf sie wartet, vieles zu haben scheint, die letzten 19 Monate durchgeschrieben hat über Dinge, die fehlen. Liebe, zum Beispiel. Oder ein Eierstock.
Das Ergebnis hat eine wirklich süße Spukgestalt vorne drauf, mit Blut am Zipfel. Heiner Müllers „Gespenster“, na klar, Önder kommt ja vom Theater. Sie ist aber nicht von gestern, „natürlich geht es auch um Ghosting“. Jedenfalls heißt das Buch „Anti-Mülle…