All Eyes On: Arang Choi
Von
Interview: Stella Richter

Öl auf Leinwand, 115 × 100 cm
Foto: © Bastian Schwind







Deine Figuren wirken wie Wesen gemischt aus Mensch, Natur und Fantasie. Was suchst du in diesen hybriden Körpern?
In meinen Wesen verschwindet die klare Grenze zwischen „Ich“ und „Welt“. Für mich sind die Figuren nicht getrennt von Pflanzen, Tieren oder Landschaften, sondern sie gehen ineinander über. In ihnen darf etwas wachsen, das wir im Alltag verdrängen: Verletzlichkeit, Wildheit, Instinkt, Stille. Vielleicht sind sie Erinnerungen daran, dass wir selbst viel poröser sind, als wir denken.
Deine Arbeiten öffnen surreale Traumwelten und alternative Realitäten. Helfen sie dir, der Gegenwart zu entkommen oder sie neu zu sehen?
Ich sehe sie nicht als Flucht. Eher als Vergrößerungsglas. Die Realität ist oft laut und scheint sehr eindeutig. In meinen Bildern darf sie unscharf werden. Träume sind nur eine andere Art, Wirklichkeit zu erfahren. Vielleicht helfen die Bilder, langsamer zu schauen. Wenn etwas surreal wirkt, dann nur, weil wir vergessen haben, wie komplex die Wirklichkeit eigentlich ist.
Was sollen Menschen fühlen, wenn sie deine Arbeiten betrachten?
Ich wünsche mir kein bestimmtes Gefühl. Manche spüren Ruhe, andere Unbehagen – beides ist willkommen. Wenn jemand das Gefühl hat, dass die dargestellten Wesen ihn*sie anschauen, nicht nur umgekehrt, dann entsteht eine Beziehung. Und diese Beziehung ist wichtiger als jede Interpretation. Die Freiheit der Kunst gehört nicht nur denjenigen, die sie erschaffen, sondern ebenso denjenigen, die ihr begegnen.
Wenn deine Bilder nachts allein wären, was würden sie heimlich tun?
Sie würden sich weiterbewegen. Vielleicht verschieben sich die Bildausschnitte ganz leicht, vielleicht öffnen sich ihre Augen, die tagsüber geschlossen sind, oder auch umgekehrt: Sie würden lieber die Augen schließen und den Moment genießen. Pflanzenarme würden sich ausstrecken und atmen. Aber sie würden nichts Lautes tun. Eher ein leises Pulsieren. So wie ein Wald in der Nacht – scheinbar ruhig, aber volle…