Illustration: Eine weiblich gelesene Person verlässt einen Raum. Hinter der Person sind zahlreiche Paragraphenzeichen und gestapelte Dokumente zu sehen. Auf der Tür steht „Exit“.
© Pia Graf

Die Idee für die Feminist Law Clinic hatte ich zusammen mit zwei Mitbewohnerinnen, mit denen ich Jura studiert habe. Während des Studiums kamen viele Freund*innen zu uns mit Fragen z. B. zu sexualisierter Gewalt: Hat mein Partner rechtlich, nicht nur persönlich, eine Grenze überschritten? Dann ist uns aufgefallen, dass wir keine Ahnung haben. Das Sexualstrafrecht wird im Studium gar nicht behandelt. An manchen Unis gibt es Kurse, die man freiwillig belegen kann. Man kann also Richter*in werden, ohne je irgendetwas über Sexualstrafrecht gelernt zu haben. Um diese Lücke zu schließen, haben wir eine Ausbildungsreihe hier in Köln organisiert und sie online gestreamt. Dann dachten wir, hey, wieso machen wir nicht was mit dem Wissen? 

Im Sexualstrafrecht geben wir mittlerweile organisatorische Beratung.

Wir gucken dann z. B., ob wir zusammen Prozesskostenhilfe beantragen können. Aber am meisten beraten wir zu Familien- und Gewaltschutzrecht. Zu Anpassung des Geschlechts oder des Namens im Pass beraten wir auch. Jeder Fall wird von Rechtsberater*innen begleitet, aber er wird immer rückgesprochen mit Anwält*innen, damit garantiert nichts Falsches erzählt wird. Jede Person kann diese Ausbildung zum*zur Berater*in machen, aber die meisten studieren Jura oder soziale Arbeit. 

Die Finanzierung ist eine große Herausforderung. Leute, die zu uns kommen, sind eben nicht die, die sich sonst eine anwaltliche Beratung leisten würden. Wir arbeiten alle ehrenamtlich. Den Anwält*innen und den Dozierenden zahlen wir eine Aufwandsentschädigung.

Die Hauptlast tragen wir Vorstandsmitglieder. Ich bin fünfzig Stunden pro Woche im Einsatz und habe das Glück, das finanziell stemmen zu können. Aber das kann keine langfristige Lösung …