Für die Rechte der Mütter, damals und heute
Von

Bittstellerin, 1909
Kreide
Kunstsammlungen Chemnitz © bpk / Kunstsammlungen Chemnitz / May Voigt

Fotografie
Foto: Tatjana Hub © Tatjana Hub
Warum heute Käthe Kollwitz zeigen? Heidi Specker: Ihre Position war beispiellos. Sie kämpfte als Antifaschistin für Frauen, Arbeiterinnen, für die Rechte der Mütter, gegen den Krieg und um ihren Platz als Künstlerin in einer Männerwelt. Vor dem aufkommenden Nationalsozialismus und nach dem grausamen Ersten Weltkrieg legte sie mit Werken wie ihrem berühmten „Nie wieder Krieg!“-Plakat von 1924 den Finger in die Wunde. Wir sind immer noch weit entfernt von Chancengleichheit, Gerechtigkeit oder Frieden. Schon allein deshalb ist ihre Kunst erschreckend aktuell.
Wie haben die Studierenden auf ihre Inhalte und Formensprache reagiert? Kuratorin Kerstin Drechsel: Die Begegnung der Klasse mit den Originalen war ein Ausgangspunkt, der unter die Haut geht. Nah vor ihren bekannten Zyklen sowie zahlreichen Porträts wird deutlich, was Reproduktionen nicht vermitteln können: die physische Präsenz dieser Arbeiten, ihre Schwere. Die Themen, die Kollwitz ein Leben lang umtrieben – Mutterschaft, Krieg, Selbstdarstellung, soziale Ungleichheit –, wurden von den Studierenden aufgegriffen und konsequent in die Gegenwart weitergedacht. Das Thema Krieg kehrt wieder, und mit ihm etwas, das viele verdrängt hatten: die gesetzliche Wiedereinführung verpflichtender Musterungen für männliche Jugendliche des Geburtsjahrgangs 2008.
Wie dialogisieren die Originalwerke mit den neuen Positionen? HS: Käthe Kollwitz ist die Gastgeberin und wir sind die Gäste. Die Klasse reagiert, kommentiert, ad…