© UNBORN0x9(2022), photo courtesy Shu Lea Cheang / Ewen Chardronnet

Die Idee, den Mutterleib durch Glas und Technik zu ersetzen, ist älter als jede Silicon-Valley-Fantasie. Schon 1932 lässt der britische Schriftsteller Aldous Huxley in seinem dystopischen Klassiker „Schöne neue Welt“ die Menschheit nicht mehr gebären: Fortpflanzung findet ausschließlich in der sogenannten Brut- und Normzentrale statt, wo Embryonen in Flaschen herangezüchtet werden. Vier Jahrzehnte später entwirft Marge Piercy in „Frau am Abgrund der Zeit“ eine feministische Utopie, in der Schwangerschaft zur Aufhebung der biologischen Ungleichheit aus dem weiblichen Körper ausgelagert wird – Babys reifen dort in aquarienartigen Tanks heran. Das Kino liefert die entsprechenden Bilder ikonischer Brutstätten: die endlosen Turmkolonien verkabelter Menschenkapseln in „Matrix“, die klinische Klonfabrik in „Star Wars: Episode II“. Zuletzt zeichnete die Regisseurin Sophie Barthes in ihrer Sozialsatire „Baby To Go“ mit Emilia Clarke ein futuristisches Szenario, in dem Menschen nicht mehr mit Babybäuchen unterwegs sind, sondern mit schick umgeschnallten Plastikeiern – darin die heranwachsenden Föten. So bringen die neun Monate Schwangerschaft weder Schmerzen noch Übelkeit oder die Verpflichtung zum Geburtsvorbereitungskurs mit sich.

Die Ektogenese – so nennt man die Entwicklung eines Fötus in einem künstlichen Uterus – hat immer schon eine große Faszination auf Menschen mit Gebärmutter ausgeübt und ist heute fest im Kanon feministischer Theorie verankert. Verlockend ist der Gedanke, dass künstliche Brutstätten den menschlichen Körper von der Pflicht zur Reproduktion und dem Erhalt der Spezies entbinden könnten, dass niemand mehr auf seine Gebärfähigkeit reduziert würde. Besonders verbindet sich mit der Ektogenese auch die Hoffnung, ein uraltes Risiko zu überwinden: die Müttersterblichkeit. Schließlich sterben nach wie vor jedes Jahr Hunderttausende durch Schwangerschafts- oder Geburtskomplikationen – im Jahr 2023 verloren laut WHO weltweit rund 260.000 Frauen ihr Leben daran: eine Mutter alle zwei Minuten!  Eine künstliche Gebärmutter klingt daher wie eine Verheißung. Und gerade in Zeiten von In-vitro-Fertilisation, Präimplantationsdiagnostik und experimenteller Embryonenforschung scheint Ektogenese …