Literaturtipps 03/26
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Anti Opfer
Als Collien Fernandes mit ihren Vorwürfen gegen Exmann Christian Ulmen ans Licht der Öffentlichkeit trat, löste sie vor allem unter Frauen eine Welle der Empörung und Solidarität aus – der Backlash folgte umgehend. Man kann sich keine bessere Begleitlektüre wünschen als Alice Hasters’ neues Buch, um über den Umgang mit Fernandes und anderen Gewalt-Betroffenen zu reflektieren. „Anti
Opfer. Warum wir Verletzlichkeit verachten“ fragt, warum wir uns so schwertun, uns selbst und andere überhaupt als Opfer zu akzeptieren. Wenn eine Person über Erlittenes spricht, wird sie oft dafür gelobt, keine Schwäche zu zeigen, denn wer emotional wird, verlangt zu viel. Zugleich muss sie ihren Opferstatus aktiv performen, damit ihr geglaubt wird – doch perfekte Opfer gibt es nicht. Der Begriff ist mit so vielen Widersprüchen aufgeladen, dass seine Bedeutung verloren geht: Opfersein ist keine Frage des Mindsets, sondern „eine Realität, der man nicht einfach entfliehen kann“, schreibt Hasters.
Die Journalistin und Bestsellerautorin betrachtet das Opfer aus verschiedensten Blickwinkeln: als Speerspitze sozialer Kämpfe, als Spielball kapitalistischer Interessen und als Sündenbock einer Politik des Antiviktimismus. Mit ihrer besonnenen, zielsicheren Analyse der Hauptfigur unserer intensivsten Diskurse liefert Hasters das richtige Buch zur richtigen Zeit. Eva Szulkowski
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Alice Hasters „Anti Opfer. Warum wir Verletzlichkeit verachten“ ( Ullstein, 312 S., 22,99 Euro )

Gliff
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