© Friederike Hantel

Die Zukunft von Plastik liegt im Mülleimer!“, verkündete Lloyd Stouffer, Redakteur der Branchenzeitschrift „Modern Packaging“, 1956 auf einer Konferenz in New York. Sieben Jahre später vermeldete er auf einer weiteren Tagung einen wichtigen Durchbruch: Niemand runzele ob solch einer provokanten Aussage noch die Stirn. Mehrfachnutzung sei der Feind, „single use“ das Zauberwort. „Ihr füllt die Abfalleimer, Müllhalden und Verbrennungsanlagen mit Milliarden von Plastikflaschen, Plastiktassen, Plastiktuben, Blister- und Folienverpackungen, Plastiktüten und Filmen und jetzt sogar – Plastikdosen. Der Glückstag ist dann erreicht, wenn niemand mehr eine Plastikverpackung für zu gut hält, um sie wegzuwerfen.“

Die Utopie des Plastikfans hat sich in gespenstischer Weise erfüllt. In den 1950er-Jahren wurden noch weniger als zwei Millionen Tonnen Plastik pro Jahr produziert, heute sind es mehr als 350 Millionen Tonnen pro Jahr – und Schätzungen gehen von dreißig Milliarden im Jahr 2050 aus. Wenn wir heute an Plastik denken, dann an die kontinentgroße Müllinsel, die im Nordpazifik treibt, an gebirgshohe Deponien nie getragener Synthetikklamotten, an verdächtig riechendes Kinderspielzeug riesiger Onlineplattformen und an Mikroplastik in Uteri, Brustmilch und Hoden. 

Plastik ist überall: Auch wenn wir uns für eine Wanderung in die Natur zurückziehen, ist unser Körper meist in funktionelle Kleidung aus Polyesterfasern gehüllt, tragen wir Nylonrucksäcke und trinken aus PET-Flaschen. Plastik begegnet uns heute in erster Linie als Problem, als etwas, das Schuldgefühle, Ängste und Ohnmacht hervorruft. Als Dystopie, die es zu überwinden gilt. Für viele ist kau…